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Verschwendung als Krisenlösung

22 Mai 2012

Streifzüge 54/2012

von Julian Bierwirth

Beispiele für geplanten Verschleiß sind mittlerweile Legion. Eine beliebte Variante läuft darauf hinaus, bei der Produktion der Ware deren Haltbarkeit künstlich zu verkürzen. Über Nylon etwa hält sich hartnäckig das Gerücht, es würde während seiner Herstellung derart behandelt, dass es besonders empfindlich wird. Dann reißt der Faden schneller und der nächste Einkauf kann nicht allzu lange aufgeschoben werden. Auch bei Mobiltelefonen als vielbenutzten Alltagsgegenständen werden nicht zufällig Gehäuse mit einem gewissen Anteil Kunstleder benutzt, die sich leicht eindrücken lassen. Das sieht beizeiten nicht mehr schön aus und verleitet zum Kauf eines neuen Produktes. Doch nicht nur an Äußerlichkeiten lässt sich drehen.

Darüber hinaus ist es möglich, die Ware auf die eine oder andere Art so zu beeinflussen, dass perspektivisch mehr von ihr verkauft wird. Beispielsweise können die waschwirksamen Bestandteile von Waschmitteln durch billige Füllstoffe ersetzt werden. Schuhe können derart produziert werden, dass ihre Sohlen keinen Leim annehmen und daher nicht mehr repariert werden können. Ketchup-Flaschen können mit Öffnungen verkauft werden, durch die garantiert mehr Ketchup fließt als für den Bratling vonnöten wäre.
In allen diesen Fällen wird der Jahresumsatz durch die Verringerung der Umschlagzeit des Kapitals erhöht, während gleichzeitig ihr Gebrauchswert vermindert wird. Die Schuld dafür wird häufig in den mafiösen Praxen raffgieriger Kapitalist*Innen gesucht. Diese Begründung übersieht, dass Unternehmen ihre Produktionskosten optimieren müssen, wenn sie in der Konkurrenz bestehen wollen. In Zeiten stagnierender Wachstumsmärkte ist den Konkurrenzsubjekten alles Recht, was ihnen Billig ist.

Obschon die steigenden technischen Möglichkeiten immer mehr Lebensstandard mit immer weniger Aufwand ermöglichen würden, sabotieren die gesellschaftlichen Verhältnisse diese Potentialität auf Schritt und Tritt.

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