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Eliminatorisch eklektisch

15 Nov 2010

von Necati Mert

Identitäten dienen zur Klassifikation der als Andere, Fremde eingeordneten Spätankömmlinge. Ihnen wird einfach eine Kultur des Unterwertigen zugeschrieben, deren Nuancen mit den konventionellen Werten stammverwandt sind. Das Ziel ist nicht die Gesellschaft der freien Individuen, sondern der kollektiven Zugehörigkeiten. Der zugewanderte Fremde wird mit seinen Gebräuchen und Gewohnheiten niemals dazugehören. Es sei denn, dass er sich restlos assimilieren lässt und zum Affen der Integrationsindustrie macht, die fortbestehen wird auch ohne eingewandertes Menschenmaterial.

Unter der Oberhand des Okzidentalen bleibt die Orientalia ein instrumentaler Prüfstein, und die eingewanderten Orientalier werden als Orang-Utans perzipiert, seine humanen Eigenarten auf Zero reduziert. Das Zeremoniell der sich selbst feiernden Zivilisationsersten basiert auf einem Opus des Kulturalismus, mit dem die Organe der Gewalt operieren und die Bürokraten-Branche der demographischen Dompteure ihre eliminatorisch eklektische Dramatik dokumentieren.

Definiert wird kulturelle Identität als der Zugehörigkeitszwang einer Menschenschar zu einem bestimmten Kollektiv. Der Angelpunkt ist dabei der Gedanke, sich von antiquierten „Anderen“ kultur-klanglich zu unterscheiden, und zwar in genre-gesellschaftlich oder geschichtlich erworbenen Aspekten wie Sprache, Religion, Nation, Ethnie, Sitten, Gebräuchen, Gewohnheiten u.ä. Kulturelle Identität entsteht ausschließlich aus der diskursiven Konstruktion der elfenhaft elitären „Eigenen“, die durch den Gegensatz zu einem wirklichen oder bloß vorgestellten blutfremden „Anderen“ hervorgerufen sowie abgehoben wird. Gegenüber diesem antizipierten „Anderen“ oder dem „Fremden“ entwickelt sich Aversion und sogar Hass.

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