Liebe Leute: Allein hier zu schreiben, dass wir ein Leben ohne Geld wollen, kostet welches. Wer unsere Texte mag, soll dazu beitragen, dass sie hier (ent)stehen können. Wenn wer sich’s leisten kann. Eh klar. Dann aber seid so lieb: Her mit der Marie! Löst uns aus!

Das Pfeifer-Dossier

31 Okt 2003

Streifzüge-Redaktion

„Ich unterstelle Leser, die (… ) auch selbst denken können.“ (Karl Marx)

Okt. 2003

Liebe Leute!

Für alle, die es noch nicht wissen: Seit Anfang September läuft gegen mich eine von Karl Pfeifer angeleierte Rufmordkampagne. Bezichtigt werde ich, einmal darf man raten, des Antisemitismus.

Seit der scharfen Frontstellung gegen die Antideutschen hätte eigentlich klar sein müssen, dass die uns und speziell mir in gewohnter Manie was anhängen wollen. Wären es Schmidinger oder Schiedel oder auch Stephan Grigat gewesen, ich hätte keine Zeile verloren. Daher hat es wohl auch Karl Pfeifer, der pensionierte Redakteur der jüdischen Zeitung „Die Gemeinde“ sein müssen. Es ist da gar nicht so wichtig, ob er dazu von diesen Leuten angehalten, ermutigt oder bloß hineintheatert worden ist. Dass das Antideutsche da seine Finger im Spiel hatte, offenbart der Jargon des Artikels „Wien bleibt Wien“ (Dokument B). Dies nachzuweisen ist mühelos möglich, und ich werde es auch gegebenenfalls tun.

Wir bitten Euch und Sie nun zur Lektüre der Dokumente. Die vielen Seiten sind ausgesprochen kurzweiliger Natur, ergeben aber im Zusammenhang ein anschauliches Panorama einer haltlosen Verdächtigung. Mit einer Fortsetzung des Dossiers ist zu rechnen, wobei ich sicher nicht auf jeden einzelne Folgebeitrag antworten werde, mir aber als Angegriffener das Schlusswort vorbehalte. Die Dossierausgabe folgt unserer Regie.

Beim Lesen ist es daher wichtig, immer wieder meinen Schwarzenegger-Text (Dokument A) vor Augen zu haben. Denn um den geht es, auch wenn es Pfeifer nicht darum geht. Derweil hätte sich Karl Pfeifer noch aus der Affäre ziehen können. Wohlgemerkt ein Skandal, der seiner ist, nicht meiner oder unserer! Er hätte etwa meinen (vorerst) privaten Brief zum Anlass nehmen können. Den hat er gar nicht erst beantwortet. Pfeifer liebt die Öffentlichkeit und wir wollen sie ihm nicht nehmen. Ja, fortan gilt es den Pfeifer-Skandal in der größtmöglichen Öffentlichkeit auszustrahlen. Wenn schon, denn schon.

Pfeifer schreibt im MUND vom 2. Oktober: „Der Leser möge beurteilen…“ Das ist ganz unsere Rede. Wer und was armselig ist, überlassen wir wirklich unseren RezipientInnen. Da haben wir Vertrauen und auf Denunzianten verzichten wir gerne. Man wird sehen, wer Solidarität übt, wer ein Seicherl ist und wer die Infamie teilt. Wir werden das aufmerksam und mit Anteilnahme verfolgen. Zuschriften und Rückmeldungen unterliegen selbstverständlich der Geheimhaltung. Für weitere Postings unseres Dossiers sind wir dankbar.

Franz Schandl, Wien, am 3. Oktober 2003


INHALTSVERZEICHNIS

A. Franz Schandl, Terminator for Governator, Volksstimme 35, 28. August 2003, S. 9

B. Karl Pfeifer, Wien bleibt Wien, MUND, 1. September 2003

C. Karl Pfeifer an die Volksstimme-Redakteurin N. N (Auszug), 2. September 2003

D. Ernst Lohoff für die Redaktionen von streifzüge und Krisis, MUND, 8. September 2003

E. Karl Pfeifer, Antwort auf Streifzüge (irrtümlich als grundrisse bezeichnet), MUND, 8. September 2003

F. Lorenz Glatz, Das soll von Karl Pfeifer sein? , 17. September 2003, im MUND erst veröfffentlicht am 26. September 2003

G. Karl Pfeifer, Antwort auf Lorenz Glatz, MUND, 29. September 2003

H. Lorenz Glatz, Abschließendes zur Auseinandersetzung mit Karl Pfeifer, MUND, 2. Oktober 2003

I. Antwort an Herrn Lorenz Glatz, MUND, 2. Oktober 2003

K. Franz Schandl, Privates Schreiben an Karl Pfeifer vom 22. September 2003, veröffentlicht am 2. Oktober 2003

L. Gerold Wallner, Nicht undumm! , 1. Oktober 2003

M. Miro Safranek, Anmerkungen zu: Karl Pfeifer – Lorenz Glatz, MUND am 3. Oktober 2003

N. Claudia Volgger, über das unbehagen am schandl, MUND, 6.10.2003

O. Franz Schandl, Welch ein Wochenende, Mail vom 6. Oktober 2003

P. Martin Birkner, Auch ein Unbehagen, MUND, 7. Oktober 2003

Q. Karl Reitter, Zur Kampagne gegen Franz Schandl, MUND, 7. Oktober 2003

R. Thomas Schmidinger: Franz Schandl, MUND, 7. Oktober 2003

S. Martin Mair, Claudia Volgger als Inquisitorin? , MUND, 7. Oktober 2003

T. Claudia Volgger, Claudia Volgger als Inquisitorin? MUND, 7. Okbober 2003

U. Franz Schandl, Ihr lieben Menschen bei den irren Antideutschen! , 8. Oktober 2003

(wird gegebenenfalls fortgesetzt)

Stand 8. Oktober 2003


A. Franz Schandl, Terminator for Governator, Volksstimme 35, 28. August 2003, S. 9

Terminator for Governator! Zur cis- und transatlantischen Rezeption Arnold Schwarzeneggers

Von Franz Schandl

Österreichische Exporte haben es nicht selten in sich. Nun ist „uns“ wieder einmal ein Bravourstück gelungen, wovon andere nur träumen können. Einer von uns soll Landeshauptmann von Kalifornien werden. In Sacramento! Der Mix aus Reagan und Steierbua dürfte gut ankommen. Die „Stoakogler“, eine der berüchtigten alpenländischen Volksmusikgruppen besangen das schon prophetisch vor mehr als zehn Jahren: „Steirermen san very good, very, very good for Hollywood/ Muskeln, Schönheit und a Hirn, des kannst exportier’n! “

A. E. I. O. U könnte man da jubeln: Alles Erdreich ist Österreich untertan, wie man uns Grünschnäbel in der Volksschule diesen lateinischen Spruch der Habsburger aus Zeiten Karl V. übersetzte. Hierzulande wächst jedenfalls die Zahl derer, die auf der Arnie-Welle surfen. Österreich ist im Wahlkampf, zweifellos. Nicht nur der hiesige Boulevard ist in guter Stimmung. Man klopft sich stolz auf die Brust. Und der Exportierte importiert sich per moderner Technik gleich wieder, siehe meinen Email-Anschluss: Da schickte er (nicht nur) mir ganz unpersönlich einen Spam in den Computer: „Join Arnold’s Total Recall“ ließ er mich wissen. Gefügig wie ich bin, erfülle ich meine doppelt patriotische Pflicht und schreibe sogleich einen Artikel über ihn.

Aufräumen und abschlachten

Sein Programm ist so originell wie das aller Populisten, eben das eines Möchtegern-Terminators. Es geht ans Ausmisten. Aufräumen will er, der Arnie, und zwar gründlich. Darunter ist aber nicht zu verstehen, dass er seine Wohnung putzt – das tut er wohl schon lange nicht mehr -, sondern dass er allen Schmarotzern, Arbeitsunwilligen und anderen Gaunern die Wadln nach vorne richtet. Sogar einen „Schlachtplan“ hat er bereits, fragt sich nur, wer jetzt aller geschlachtet wird. Auf jeden Fall – da können wir ganz beruhigt sein – werden aber die Bösen rangenommen.

Auch für die herkömmlichen öffentlichen RepräsentantInnen hat der Politnewcomer nicht viel übrig. „Die Politiker betrügen, fummeln herum und versagen“, sagte er in der Jay-Leno-Show. Damit habe Schluss zu sein. Indes, Schwarzenegger ist sicher kein Rechts-Außen, in seiner Republikanischen Partei gilt er als Liberaler, also als Linker. Was über das Koordinatensystem der US-Politik einiges aussagt.

Wollen tut er das Übliche: Die Wirtschaft ankurbeln, das Regierungssystem reformieren und auf die Frage, wie er das Haushaltdefizit in Griff bekomme, antwortet er kryptisch: „Wir werden sehr bald einen Plan haben.“ Inzwischen weiß er auch wie: ausgabeseitig, d. h. nicht über neue „taxes“. Davon hätten die Kalifornier schon genug. Dafür verspricht er mehr „action vom ersten Tag an“. Wenn das auch nicht die Spur von originell ist, so findet es doch immer wieder ein begeistertes Publikum. „“Gouvernator“ macht Belastungen mit gutem Schmäh schmackhaft“, titelt die „Kronen Zeitung“ vom 22. August.

Da er für Terminator 4 nun zu alt ist, spielt es fortan Governator 1. Dies sollten auch die von der „Krone“ so betitelten „Neider“ unter den SchauspielerkollegInnen nicht verhindern, die sich dezidiert gegen Schwarzeneggers Kandidatur ausgesprochen haben, Tom Hanks etwa oder Barbara Streisand. Dass jener gewinnt, dürfte ausgemachte Sache sein, höchstens es gelingt, ihm irgendeine kriminelle Machenschaft anzuhängen, ein Nahverhältnis zu Jörg Haider oder gar den Nazis nachzuweisen. Aber auch da meint der Sohn eines österreichischen NSDAP-Mitglieds vorgesorgt zu haben. Das Holocaust Memorial Trust in Los Angeles wird ebenso wie das Simon Wiesenthal Centre in New York von ihm großzügig finanziell unterstützt. 1997 erhielt er von letztgenannter Institution das „National Leadership Award“. Arnie ist ein Antifaschist, zweifelsohne.

Gelegentlich erwartet man aber noch eine deutliche Distanzierung vom ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim (1986-1992), der wegen seiner Kriegsvergangenheit 1987 auf US-Watch-List gesetzt und mit Einreiseverbot belegt wurde. Arnie hatte noch 1986 dessen Wahlkampf unterstützt und ihn im gleichen Jahr zu seiner Hochzeit mit Maria Shriver eingeladen. Darauf angesprochen, sagte er nun: „Ich hasse es darüber zu reden, weil das ist eine No-win-Situation.“ Das mag er gar nicht leiden, denn Arnie ist ein Winner. 40 Millionen US-Dollar soll die Steirische Eiche inzwischen wiegen. Nicht nur körperlich ist der Doppelstaatsbürger ein schwerer Brocken.

Für diese alten Geschichten hat Schwarzenegger jedenfalls nichts übrig, jetzt geht es doch um was anderes. Das weiß er, und dementsprechend verhält er sich auch. Als guter Amerikaner ist er selbstverständlich gegen Jörg Haider, denn der ist ein „bad guy“. „Da ich selbst Immigrant bin, bin ich beleidigt, wenn irgendwer ausländerfeindliche Erklärungen abgibt“, sagt er.

Aber ist das mehr als eines dieser Stehsätzchen, die man halt absondert, um bei bestimmten Medien gut anzukommen? Abgesehen davon, dass Haider um einiges intelligenter ist, sind die beiden doch aus dem gleichen Kerbholz geschnitzt. Differenzen außerhalb der simulierten, müssten erst erfunden werden. So gab es letzthin erst Kritik an Schwarzenegger, weil er 1994 einen Gesetzesvorschlag unterstützte, der illegalen Einwanderern den Zugang zu öffentlichen Bildungseinrichtungen und zur Gesundheitsversorgung verwehren wollte. Ausländerfeindlich sei das aber nicht, meint nun Arnies Wahlkampfleiter. Haider würde nichts anderes sagen, solcherlei fällt unter die Rubrik: Kampf der Illegalität. Illegales darf nämlich, das wissen wir auch aus den Schwarzenegger-Filmen, nur mir legaler Deckung geschehen.

Die Auf- und Ausführungen des Arnold Schwarzenegger sind allesamt derb, primitiv, ja unerträglich und gefährlich. Eine Beleidigung für Verstand und Gespür der Menschen. Aber in Zeiten wie diesen hat man solches nicht zu äußern, denn was zählt ist der kommerzielle und mit ihm auch der politische Erfolg. Was abläuft ist die Verschärfung der Verblödungskampagne im öffentlichen Sektor. Nicht nur in Übersee…

Leichen zählen

Wenn österreichische und amerikanische Idiotie zu einer einzigen kumulieren, dann kommt so etwas wie Arnold Schwarzenegger raus. Der ist tatsächlich eine kulturindustrielle Panzerfaust sondergleichen. Auf der Homepage mit dem Motto „Arnold…. a tribute“ gibt es sogar eine Hitparade der Leichen, wo die Anzahl der von Conan&Co. pro Streifen zur Strecke gebrachten vermerkt ist. Im „Kindergarten Cop“ war es lediglich ein Toter, in „Commando“ 100, ansonsten meist zwischen 20 und 50. Das darf sich nicht nur sehen lassen, das muss demonstriert werden. „The death toll“ (www.geocities.com/CapitolHill/1396/death2.html) nennt sich diese Seite.

In der Politik ist bei den angekündigten Rollkommandos wohl ähnliches zu erwarten. Es ist das konkurrenzistische Prinzip, dem hier gehuldigt wird: Wer erledigt wie viel(e)? Im Film wie im Leben. Und immer wieder spricht aus unserem heroe der autoritäre Charakter: „Ein paar Watschen waren schon ganz gut. Danke, liebe Mutti“, sagte Schwarzenegger 1994 bei der Präsentation von „True lies“ in der Grazer Oper. Vielleicht waren es doch ein paar zuviel.

Wäre er in den USA geboren, würde er sicher in Ronald Reagans Fußstapfen treten. Doch Präsident kann man auch woanders werden, etwa in Österreich, wo sich der Wahlhelfer Wolfgang Schüssels auf sein Altenteil zurückziehen könnte, wird es ihm an der Westküste zu heiß. In Graz, der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas, hat man bereits vor vielen Jahren ein Stadion nach ihm benannt. Wenn er sich noch mit einem anderen Steirer namens Franz Strohsack, dem austrocanadischen Milliardär, der nun Frank Stronach heißt, zusammentut, könnten sie möglicherweise die ganze Republik kaufen. Und die würde sich durchaus freuen, ist ja schließlich keine ausländische Übernahme, sondern lediglich ein inländischer Untergang. Darauf ist die Alpenrepublik ja spezialisiert: „Krähwinkels letztes Krächzen“, könnte diese Operette, die freilich ihr Fach sprengen würde, betitelt sein. Krähwinkel wäre dann vom Heimatland zum Homeland geworden, eines, das aber ganz gut in ein Hollywood-Terrarium passen würde, eben als Sonderzone für eine absolut unbedrohte Spezies.

Arnold Schwarzenegger ist die Personifikation einer Ehe aus Amischinken und Heimatfilm, Hollywood und Musikantenstadel sind in ihm eins geworden. Er ist der Beweis, dass es sie leibhaftig gibt: the Austricans. Die Amerikaner, es steht zu befürchten, sind das größte österreichische Volk auf der Welt. Gewinnen die einen den Simandeln-Bewerb qualitativ, so die anderen quantitativ. Derweil hatten die Amis schon mal einen wirklich großen Arnold. Schönberg hieß der mit Nachnamen, und war vor den Nazis ins sonnige Kalifornien geflohen. Anfangen konnten sie mit ihm allerdings nicht viel. Seine Erbschaft, an der dort kein Bedarf mehr bestand, hat man knapp vor der Jahrtausendwende nach Wien retourniert.


B. Karl Pfeifer, Wien bleibt Wien. Volksstimme-Fest 2003, MUND, 1. September 2003 bzw. in hagalil.org www.oekonux.de www.adf-berlin.de www.juedische.at

(… )

Dass die AIK und geistesverwandte Gruppen sich immer noch als Teil der Linken begreifen können, spricht nicht für sie, sondern gegen diese Linke. In ihrer Sucht nach Massenwirksamkeit und einfachen Welterklärungen ist diese Nachgeburt des Kalten Krieges ebenfalls auf den „Antiimperialismus“ gekommen. Damit wir uns richtig verstehen: Diese „AntiimperialistInnen“ bekämpfen nicht den Imperialismus als globales, warenförmiges System von Unrecht und Ausbeutung, sondern die USA und Israel als Hort des Bösen. Ihr Hauptfeind steht nicht im eigenen Land und sie scheuen nicht das Bündnis mit dem Feind „des großen und des kleinen Satans“, auch wenn dieser ein ausgemachter Faschist und Massenmörder wie Saddam Hussein ist.

Bei der AIK begegnet uns diese ressentimentgeladene Weltanschauung in ihrer reinsten Form. Diese kann nicht anders als faschistisch bezeichnet werden. Ist sie doch geprägt von Antisemitismus, Nationalismus, plumper Schwarz-Weiß-Malerei, Personalisierungen und Verschwörungstheorien, Lobpreisungen vormoderner Lebensformen und der entsprechenden ideologischen Überbauten, Gewaltverherrlichung, einem finsteren Kult des Todes und von chauvinistischem Heroismus.

Dass die AIK mittlerweile auch offenen Zuspruch von Neonazis erfährt, überrascht da nicht mehr…“

Einem Studenten, der dieses Flugblatt am Volksstimmefest verteilte, trat ein siebzehnjähriger Junge mit der Frage entgegen: „Warum nennst Du mich einen Antisemiten? „. Der Student beteuerte, dass er ihn nicht kenne und somit auch nicht wissen könne, ob er Antisemit sei.

Der Junge identifizierte die Gruppe, zu der er gehöre, und die im Flugblatt tatsächlich erwähnt wurde. Auf die Frage des Studenten, was denn seine Gruppe befürworte, antwortete er mit Überzeugung, dass er persönlich auch für diejenigen eintrete, die sich einen Sprenggürtel um den Bauch binden und in Israel Selbstmordattentate begehen. Der Student antwortete gelassen: „Du hast Deine Frage selbst beantwortet, Du trittst ein für die Tötung von so viel als möglich Juden, also bist Du ein Antisemit.“

Dem Mitarbeiter der „Volksstimme“ Franz Schandl kommt der Antisemitismus aus dem österreichischen Bauch vollkommen unbeabsichtigt heraus. Er widmet seinen Leitartikel dem Ex-Österreicher Arnold Schwarzenegger, dessen Person und Politik auch sachlich kritisierbar wäre. Schwarzenegger kann einem gefallen oder nicht gefallen, aber zu schreiben „Wenn österreichische und amerikanische Idiotie zu einer einzigen kumulieren, dann kommt so etwas wie Arnold Schwarzenegger raus“ braucht nicht kommentiert zu werden.

Doch es kommt schlimmer, wie es auch in rechtsextremen Zeitschriften zu lesen und am Stammtisch zu hören ist. Dass Schwarzenegger gewinnt, „dürfte ausgemachte Sache sein, höchstens es gelingt, ihm irgendeine kriminelle Machenschaft anzuhängen, ein Nahverhältnis zu Jörg Haider oder gar den Nazis nachzuweisen. Aber auch da meint der Sohn eines österreichischen NSDAP-Mitglieds vorgesorgt zu haben. Das Holocaust Memorial Trust in Los Angeles wird ebenso wie das Simon Wiesenthal Centre in New York von ihm großzügig finanziell unterstützt.“

Dieser antisemitische Furz des Schandl kommt ganz unbewusst, aber er ist laut und er stinkt. Denn er drückt damit aus, was Rechtsextreme aber auch linke Antisemiten glauben, dass Amerika von „Juden“ beherrscht wird, und dass diese diktieren.

Doch wer im österreichischen Glashaus, mit braun-blauem Bodenbelag sitzt, der sollte nicht so mit Steinen um sich werfen. In den USA konnte ein Michel Moore einen Oscar-Preis gewinnen und die Politik Bush öffentlich verdammen.

Wie ging Österreich zu Lebzeiten von Thomas Bernhard mit diesem um? Man erinnere sich nur an den Misthaufen, den österreichische „Patrioten“ vor dem Burgtheater abluden, um gegen seinen „Heldenplatz“ zu demonstrieren, obwohl meiner Meinung nach dieses Stück ein zartes Understatement über den hier so tief verwurzelten Antisemitismus ist. …“


C. Karl Pfeifer an die Volksstimme-Redakteurin N. N (Auszug), 2. September 2003

Liebe N. N.

in www.juedische.at, in www.hagalil.com und in www.mund.at habe ich einen artikel über volksstimmefest etc publiziert. und auch den leitartikel von Schandl kritisiert. Da ich seine Adresse nicht kenne bitte ich Dich bzw. die Redaktion ihm diesen zukommen zu lassen. Im Gegensatz zur AIK habe ich ihm nicht bewußten Antisemitismus vorgeworfen, sondern einen aus dem Bauch kommenden, wie er halt so üblich ist.

Das der Schiedel Artikel gebracht wurde hat mich wirklich gefreut und ich bin dankbar dafür.

(… )

Was mich bei Schandl besonders geärgert hat, ist die tiefe Überzeugung, dass der Sohn eines Nazi nicht aufrichtig die Verbrechen der Nazi verabscheuen kann und lediglich wegen seiner Karriere als Politiker Geld spendet. Für die Politik eines A. Schwarzenegger habe ich keine Sympathie, doch nehme ich ihm ab, dass er mit dem autoritären Gehabe seines Vaters nicht mehr zu tun haben wollte und deswegen auswanderte. Der Artikel im profil über seinen Vater zeigt das auch auf.

Mit lieben Grüßen

Karl


D. Ernst Lohoff für die Redaktionen von streifzüge und Krisis, MUND, 8. September 2003

Liebe Redaktion,

in den auf Ihren Seiten publizierten Beitrag „Wien bleibt Wien“ figuriert unser Redaktionsmitglied und Stammautor Franz Schandl als Antisemit. Wie sich diese aus der Luft gegriffene Denunziationen in Karl Pfeifers Artikel verirren konnte, ist fuer uns nicht nachvollziehbar.

Die inkriminierten Passagen aus Franz Schandls Schwarzenegger-Artikel decken den Anwurf jedenfalls nicht – und das ganz offensichtlich. Was an der polemischen Zuspitzung „oesterreichische und amerikanische Idiotie“ wueden in der Person von Schwarzenegger zu einer einzigen kulminieren“, antisemitisch sein soll, bleibt das Geheimnis des Autors. Warum sich der antisemitische Charakter dieser Zusammenziehung auch noch von allein versteht, erst recht. Ist das Wort Idiotie fuer Phaenomene auf dem Ostufer des Atlantiks reserviert?

Welches Vorverstaendnis ist fernerhin am Werk, wenn Franz Schandls Hinweis auf Schwareneggers Politik gegenueber juedischen Institutionen zum antisemitischen Stereotyp umdeklariert wird? Dass Schwarenzegger bemuehtt ist, was sein Verhaeltnis zur deutsch- oesterreichischen Taetergeschichte angeht, sich einen Persilschein ausstellen zu lassen, mag man bestreiten; was soll aber an dieser Behauptung antisemitisch sein? Bei allem Respekt vor der Person Karl Pfeifers und seinen Verdiensten, der Autor liest in diesem Fall nicht aus den Zeilen und auch nicht zwischen den Zeilen, er liest hinein. Es tut dem Kampf gegen den realen linken und rechten Antisemitismus ueberhaupt nicht gut, wenn „Antisemitismus“ zum inhaltsleeren Schimpfwort herabsinkt.

Mit freundlichen Gruess und der Bitte um Veroeffentlichung

Ernst Lohoff im Auftrag der Redaktion der gesellschaftskritischen Zeitschriften „Streifzuege“ (Wien) und „Krisis“ (Erlangen)


E. Karl Pfeifer, Antwort auf Streifzüge (irrtümlich als grundrisse bezeichnet), MUND, 8. September 2003 bzw. in hagalil.org

antwort auf grundrisse

Wien bleibt Wien oder die Schwierigkeit implizite Texte zu kritisieren

Von: Karl Pfeifer

Der Satz „österreichische und amerikanische Idiotie“ würden sich in der Person von Schwarzenegger „zu einer einzigen kulminieren“ ist nur dumm. Ich meinte dazu auch, er „braucht nicht kommentiert zu werden“. Heinz Blaha hat also recht, dieser Satz ist nicht antisemitisch.

Doch ich schrieb: „Dem Mitarbeiter der „Volksstimme“ Franz Schandl kommt der Antisemitismus aus dem österreichischen Bauch vollkommen unbeabsichtigt heraus.“ Dass Heinz Blaha daraus folgert, ich hätte geschrieben, Franz Schandl sei „Antisemit“, zeigt, wie schwierig es ist in diesem Land, nicht explizit antisemitische Texte zu kritisieren. Ich muß jetzt noch meinen Text erklären, weil nicht verstanden wird, dass es einen großen Unterschied gibt, zwischen etwas, was aus dem „Bauch vollkommen unbeabsichtigt“ herauskommt oder was beabsichtigt wurde.

Weiter schrieb ich: „Doch es kommt schlimmer, wie es auch in rechtsextremen Zeitschriften zu lesen und am Stammtisch zu hören ist. Dass Schwarzenegger gewinnt, „dürfte ausgemachte Sache sein, höchstens es gelingt, ihm irgendeine kriminelle Machenschaft anzuhängen, ein Nahverhältnis zu Jörg Haider oder gar den Nazis nachzuweisen. Aber auch da meint der Sohn eines österreichischen NSDAP-Mitglieds vorgesorgt zu haben. Das Holocaust Memorial Trust in Los Angeles wird ebenso wie das Simon Wiesenthal Centre in New York von ihm großzügig finanziell unterstützt.“ Dies qualifizierte ich u. a. so: “ Denn er drückt damit aus, was Rechtsextreme aber auch linke Antisemiten glauben, dass Amerika von „Juden“ beherrscht wird, und dass diese diktieren.“

Welchen anderen Grund hat Schandl zu unterstellen eine Unterstützung jüdischer Institutionen sei nur eine „Vorsorge“? Was Heinz Blaha als „Schwarzeneggers Politik gegenüber jüdischen Institutionen“ qualifiziert. Wieso sind Schandl und Blaha so überzeugt, dass ein Prominenter Nichtjude, der Geld an eine jüdische Institution spendet, dies nur aus politischen Gründen tun kann?

Heinz Blaha schreibt von einem „Persilschein“, den Schwarzenegger erreichen wollte. Dieser Begriff kam erst nach 1945 auf, als man in Deutschland und Österreich glaubte das Problem der Massenpartei NSDAP mit administrativen Mittel lösen zu können und sich belastete NSDAP-Mitglieder Persilscheine besorgten, die sie entschuldigen sollten. Was bitte hat das mit einem jungen Österreicher zu tun, der in die USA vielleicht gerade wegen der politischen und kulturellen Atmosphäre Österreichs ausgewandert ist? Müssen Söhne von NSDAP-Mitgliedern den Anschauungen ihrer Eltern anhängen? Wirft man das gar in den USA jungen Österreichern und Deutschen in der Regel vor?

Der antisemitische Diskurs in Österreich ist – wie Sprachwissenschaftler bestätigen – heute in der Regel codiert. Wenn also Schandl das nicht so gemeint haben will, dann gibt es noch eine Lesart: Schandl wollte die politische Kultur in den USA loben. Denn dort läßt man im Gegensatz zu Österreich Antisemitismus, oder „ein Nahverhältnis zu Jörg Haider oder gar den Nazis“ nicht durchgehen. Das aber kam nicht zum Ausdruck. In Wirklichkeit hat Schandl ein (seit vielen Jahrzehnten verbreitetes) typisches antisemitisches (und antiamerikanisches) Stereotyp gebraucht. Man spricht in Österreich von „gewissen Kreisen“ oder von der „Ostküste“, die von Heinz Blaha „Ostufer“ genannt wird, darunter sind „die Juden“ gemeint, die angeblich die USA beherrschen. Das kam auch implizit bei Schandl so heraus.

Karl Pfeifer


F. Lorenz Glatz, Das soll von Karl Pfeifer sein? , 17. September 2003 (im MUND erst am 26. September erschienen)

Das soll von Karl Pfeifer sein?

Unwillige Anmerkungen zur „antwort auf grundrisse“ (mund 8.9.03)

Von einem Auslandsaufenthalt zurückgekehrt, habe ich mit Verspätung Karl Pfeifers Antwort auf die Stellungnahme der Redaktionen der „Streifzüge“ und der „Krisis“ auf seine (auch für mich nicht nachvollziehbare) Kritik an Franz Schandls Artikel über Arnold Schwarzenegger gelesen (Mund 8.9.03).

Es fällt schwer zu glauben, dass diese Zeilen tatsächlich von einem professionellen Journalisten wie Karl Pfeifer stammen. In seiner Antwort auf ein Schreiben von wenig über 1700 Zeichen verwechselt der Verfasser gleich in der Überschrift die Zeitschriften „Streifzüge“ und „Grundrisse“, dann den Einsender (Heinz Blaha) mit dem Schreiber der Stellungnahme (Ernst Lohoff).

Immerhin dementiert der Verfasser wenigstens implizit den von auf jeden Fall von Karl Pfeifer in seiner Kritik erhobenen Vorwurf, es sei antisemitisch, von einer Kumulation österreichischer und amerikanischer Idiotie im Falle Schwarzeneggers zu sprechen, wie es Schandl in einem Zwischenresüme tat. Dem eher verschämten Dementi folgt allerdings gleich die kommentarlose Abqualifizierung, es sei „dumm“ sich so über den Austroamerikaner Schwarzenegger zu äußern (dass er Doppelstaatsbürger und nicht „Ex-Österreicher“ ist und noch einiges mehr hätte Pfeifer oder wer immer zumindest aus Schandls Artikel erfahren können).

Der Gipfelpunkt von Schludrigkeit und Flappsigkeit ist allerdings die Interpretation von Lohoffs (laut dem Verfasser: Blahas) rhetorischer Frage, ob denn „das Wort , Idiotie‘ für Phänomene auf dem Ostufer des Atlantiks reserviert“ sei. Wer immer die ominöse Antwort geschrieben hat, verwechselt doch glatt Europa, das Ostufer des Atlantiks, mit der „Ostküste“ der USA, dem Codenamen der Antisemiten für die Juden, die angeblich die USA beherrschen, und unterschiebt diese Auffassung sowohl Lohoff (Blaha) als auch mit einem Schlenker erneut Schandl.

Angesichts der tiefer werdenden Krise aller gesellschaftlichen Beziehungen nimmt der Antisemitismus als letztlich massenmörderischer „Ausweg“ bedrohlich zu. Umso empörender ist es, wenn der Kampf dagegen für Anpatzereien missbraucht wird und durch unfassbare Schludrigkeit in die Nähe Pawlowscher Reflexe gerät.

Lorenz Glatz


G. antwort an lorenz glatz Von: Karl Pfeifer, Mund 29.9.2003

Die Stellungnahme von Lorenz Glatz (Mund 26.9.03) zeigt die ganze Jämmerlichkeit einer Position auf, die den Journalisten diskreditieren will, der seinen Finger auf die offene Wunde legt, anstatt mit guten Argumenten meine Lesart zu widerlegen. Ich werde hier nicht zum x-ten mal meinen Text erklären. Wehe dem Autor einer kritischen Auseinandersetzung, der auf eine Phalange von Verteidigern stößt, die jede Menge Zeit haben und denen es ein Vergnügen macht, sich auf diesen einzuschießen. Diese Methode charakterisiert Stalinisten, Trotzkisten und Maoisten. Die beherrsch(t)en diesen Stil perfekt und leider findet er immer wieder Nachahmer. Glaubt man damit einen Autor zermürben zu können? Doch zur Sache. Arnold Schwarzenegger mag sympathisch oder unsympathisch sein.

Franz Schandl hat ihm ohne die Spur eines Beweises unterstellt, er hätte jüdischen Institutionen in den USA Geld gespendet, weil er damit meinte „vorgesorgt zu haben“, nur um einen Persilschein (Rohloff) für sich zu erhalten, da er doch Sohn eines NSDAP-Mitglieds ist.

In der von Theodor Herzl gegründeten „Illustrierten Neuen Welt“ (8/9 2003) ist ein Artikel über Arnold Schwarzenegger erschienen, dem ich folgendes entnehme: Schwarzenegger ist 1947 auf die Welt gekommen. Alfred Gerstl (ÖVP), zweimal Präsident des Bundesrates und seit 1992 Obmann der Kameradschaft der politisch Verfolgten in Graz, wurde während des NS-Regimes wegen „nicht-arischer“ Abstammung verfolgt. Gerstl kannte Schwarzenegger als Teenager. Er hatte nach dem frühen Tod des Vaters Arnolds, des Gendarmeriepostenkommandanten von Thal, Vaterstelle übernommen. Er kümmerte sich auch um die geistige und charakterliche Entwicklung des jungen Schwarzeneggers. Gerstl erinnert sich, dass er ihn wiederholt zu Vorträgen in die Kameradschaft gebracht hatte. Als 1960 eine Gruppe von Neonazistudenten eine Demonstration veranstalteten, organisierte er eine Gegendemonstration. Schwarzegger pflegte auch mit einer Reihe von im Artikel genannten Gegnern des NS-Regimes Kontakt, so z. b. Albert Kaufmann, Leiter der Otto-Möbes-Schule der Arbeiterkammer und Mitglied der jüdischen Gemeinde in Graz.

Franz Schandls Artikel bedient das in Österreich vorherrschende Vorurteil, dass die USA ein kulturloses Land ist, während wir hier an der blau-braunen-grauen Donau die Kultur gepachtet haben. Es scheint verhältnismäßig einfach am Beispiel von A. S. aufzuzeigen, dass im Gegensatz zu Österreich, das bekanntlich von Geistesriesen regiert wird, in den USA lauter Idioten regieren bzw. für ein Amt kandidieren. Dass ihm dabei unbewusst und vielleicht auch entgegen seiner deklarierten politischen Linie aus dem Bauch antisemitische Schlenker kamen, macht es nicht besser.

Glatz schreibt: „Angesichts der tiefer werdenden Krise aller gesellschaftlichen Beziehungen nimmt der Antisemitismus als letztlich massenmörderischer „Ausweg“ bedrohlich zu.“ Dieser Antisemitismus kann auch deshalb stärker werden und zunehmen, weil man hier nicht zur Kenntnis nehmen will, dass es nicht mit dem massenmörderischen Antisemitismus beginnt, der sozusagen aus dem Nichts in einer Krise hervorkommt. In Österreich ist dieser nach 1945 weder aus der Gesellschaft noch aus der Politik verschwunden und die Sensibilität für impliziten Antisemitismus ist auch bei den meisten österreichischen Linken unterentwickelt. Die immer wieder in Österreich zu hörende und lesende Meinung, wonach ein Politiker in den USA nur dann Wahlen gewinnen könnte, wenn er sich zuvor einen Persilschein bei jüdischen Organisationen geholt hat, gehört dazu.

„Umso empörender ist es, wenn der Kampf dagegen (Antisemitismus K. P. ) für Anpatzereien missbraucht wird und durch unfassbare Schludrigkeit in die Nähe Pawlowscher Reflexe gerät.“ Also, was sagt dieser Satz u. a. aus? Pfeifers Journalismus zeichnet sich durch „unfassbare Schludrigkeit“ aus. Wenn ich mir aber die österreichischen Printmedien anschaue und daran denke, wie oft diese sich entschuldigen müssen, da kann ich sogar mit dem Urteil eines österreichischen Gerichtes aufwarten, in dem mir bescheinigt wird korrekt zitiert und recherchiert zu haben. Wie jeder Mensch kann auch ich Fehler begehen. Aber „Schludrigkeit“ kann man mir nicht vorwerfen, auch wenn Herr Glatz beckmesserisch eine Verwechslung mir zum Vorwurf zu machen glaubt und mir eine missverständliche Formulierung – die in www.texten halt vorkommen – noch einmal vorwirft, obwohl ich diese meine „Sünde“ gestanden habe. Was mich traurig stimmt ist folgende Tatsache, anstatt darüber zu diskutieren, was implizierter Antisemitismus ist, stürzen sich einige Advokaten von F. S. in die Bresche und beschuldigen mich, etwas geschrieben oder intendiert zu haben, was ich eben nicht tat. Sie beschuldigen mich, ich hätte Herrn Schandl als Antisemiten hingestellt. Und eben das tat ich nicht. Denn es kann in einer Gesellschaft wie der österreichischen auch jemand, der glaubt mit Antisemitismus nichts am Hut zu haben, unbewusst eine Äußerung entschlüpfen, die natürlich von den meisten Österreichern nicht als antisemitisch empfunden wird, die aber doch an diese Vorurteile appelliert bzw. diese bestätigt.

Was auch betrübt ist, dass man in einem Land wie Österreich, dessen Einwohner soviel von ihrer Kultur insbesondere Sprachkultur halten, so wenig sensibel für die Wirkung der Sprache und für Zwischentöne ist. Es kehrt immer wieder, für die meisten Österreicher beginnt Antisemitismus bei der physischen Gewalt gegen Juden. Wer aber unter dieser Schwelle Phänomene wahrnimmt, der wird mit wehleidigen Klagen konfrontiert, man sei doch kein Antisemit, wenn das auch keiner behauptet (hat). Wenn die Advokaten von F. S. glauben durch ihre Zuschriften reflexartig jede Kritik meinerseits abweisen und die Diskussion abwürgen zu können, dann irren sie sich.

Karl Pfeifer


H. Lorenz Glatz, Abschließendes zur Auseinandersetzung mit Karl Pfeifer, 1. Oktober 2003

Ich werde Karl Pfeifer nicht auf das Niveau seiner Bemerkungen von wegen Methode der „Stalinisten, Trotzkisten und Maoisten“, „Phalange von Verteidigern, die jede Menge Zeit haben“, „Advokaten von F. S. „, „wehleidige Klagen“ etc. folgen.

Zur Sache halte ich fest, dass ich mich zu Karl Pfeifers Kritik an Schandls Artikel bisher nur in Parenthese geäußert habe, dass sie nämlich für mich „nicht nachvollziehbar“ sei. Was Karl Pfeifer dazu alles durcheinander gerät, liegt nicht in meinem Bereich.

Meine geäußerte Kritik bezog sich auf Karl Pfeifers gelinde gesagt: sehr misslungene Antwort auf Lohoff (nicht Rohloff, wie K. P. meint). Konkret ging es um Pfeifers Verwechslungen (für deren eine sich die Redakteurin für verantwortlich erklärt hat), dann darum, dass er zwar sein (wie er inzwischen klargestellt hat: missverständliches) Antisemitismus-Verdikt gegen die Feststellung einer Kumulierung österreichischer und amerikanischer Idiotie im Phänomen Schwarzenegger zwar aufgibt, allerdings nur, um sie kommentarlos als „dumm“ abzuqualifizieren. Mein Punkt aber war Karl Pfeifers unglaublich leichtfertiger Antisemitismus-Vorwurf (in einem Rundumschlag gegen Lohoff /Blaha und Schandl) wegen einer Passage, bei deren Lektüre er sichtlich Europa mit der Ostküste der USA verwechselte. Meine heftige Zurückweisung dieser konkreten Schludrigkeit ist für Karl Pfeifer bloß Beckmesserei. Das muss er mit sich selber ausmachen. Dass er mit einem Gerichtsurteil aufwarten kann, in dem ihm korrekte Recherche und Zitierweise bescheinigt werden, glaube ich ihm der Form und dem Inhalt nach umstandslos. Es hat bloß mit meiner konkreten Kritik nichts zu tun.

Ein wenig erinnert Karl Pfeifer in dieser Auseinandersetzung an einen Lehrer, der sich überall von schlimmen Schulbuben umgeben wähnt, auf deren Äußerungen er nicht mehr so genau hinhört, weil er ja eh zu wissen meint, was die so sagen und wie sie gemeint haben müssen, was sie so von sich geben. Da er auch in der Antwort auf meine Kritik wieder auf Schandl zurückkommt, der „ohne die Spur eines Beweises“ dem Schwarzenegger unterstellt habe, durch Spenden an jüdische Organisationen gegen mögliche Angriffe vorgesorgt zu haben, notiere ich hier die Adresse des im übrigen recht kurzen Schandl-Artikels, damit sich LeserInnen davon ein Bild machen können: www.streifzuege.org/str_autor_schandl_schwarzenegger.html Auch eine sorgsame Umschau im Internet könnte manches über Schwarzenegger lehren, das Karl Pfeifer entgangen sein mag.

Wie Schandl übrigens – so Karl Pfeifer in seiner Antwort an mich – „das in Österreich vorherrschende Vorurteil, dass die USA ein kulturloses Land ist, während wir hier an der blau-braunen-grauen Donau die Kultur gepachtet haben“ und „dass im Gegensatz zu Österreich, das bekanntlich von Geistesriesen regiert wird, in den USA lauter Idioten regieren bzw. für ein Amt kandidieren“ bedienen soll, ist Karl Pfeifers Geheimnis angesichts Schandls von Karl Pfeifer inkriminierter Charakterisierung des „Doppelstaatsbürgers“ Schwarzenegger als Kumulation „österreichischer und amerikanischer Idiotie“ und als möglicher Präsident „Österreichs, wo sich der Wahlhelfer Wolfgang Schüssels auf sein Altenteil zurückziehen könnte“.

Ich möchte die Auseinandersetzung mit dieser Mail für mich beenden und bitte Karl Pfeifer mit der ihm in dieser Sache unterlaufenden Selbstbeschädigung aufzuhören, an der nur noch mitlesende Antisemiten ihre Freude haben können.

Lorenz Glatz


I. Antwort an Herrn Lorenz Glatz, Mund 2. Oktober 2003 Von Karl Pfeifer

Tatsächlich hat Lorenz Glatz in einem Punkt recht. Journalisten die gratis im Internet schreiben, haben nicht immer die Zeit und Laune, auf beckmesserische Anwürfe (die auch dort wo sie berechtigt sind, doch nichts am Wesen der Sache ändern) zu antworten. Also hat er mich ertappt, ich habe in der Eile zwei Namen verwechselt, und es ist die Ostküste des Atlantiks gemeint und das habe ich falsch verstanden. Kann mir Herr Glatz andere „Schludrigkeiten“ vorwerfen? Hat Herr Glatz keine andere Sorgen. Ist sonst alles in Ordnung in diesem Land?

Was ich gelernt habe, wenn Dr. Schandl von einer „kumulierten Idiotie“ schreibt, die in einer Person festgemacht wird, dann ist das in Ordnung, wenn ich diese Formulierung „dumm“ finde, dann ist das zu kritisieren und ich müsste noch – unbezahlt versteht sich – eine genaue Textexegese für die Herren Schandl und Glatz nachliefern.

Lorenz Glatz passen meine politischen Stellungnahmen nicht. Das ist sein gutes Recht. Er aber glaubt einen Vernichtungsschlag gegen mich geführt zu haben und hat doch nur seine armselige Beckmesserei bewiesen. Denn in der Sache geht es ihm doch darum, zu leugnen, dass einem aufrechten Linken, wie Dr. Schandl ein antisemitischer Schlenker unbewusst und ungewollt aus dem Bauch kommen kann. Wer einen solchen korrekt zitiert und wertet, wie ich das getan habe, dem wird sofort vorgeworfen, er hätte einen Linken beschuldigt „Antisemit“ zu sein. Was ich aber nicht getan habe.

Der Leser möge beurteilen, ob ich mich mit dieser Erklärung „selbstbeschädigt“ habe. Was aber die Freude der Antisemiten angeht, mich hat diese Freude noch nie gekümmert, denn und hier hat Herr Lorenz Glatz einen glitschigen Pfad betreten, am Antisemitismus sind nicht irgendwelche Fehler, wahre oder angedichtete Eigenschaften von Juden schuld. Antisemiten stört die Tatsache, dass es überhaupt noch Juden gibt.

Karl Pfeifer


K. Franz Schandl, Privates Schreiben an Karl Pfeifer vom 22. September 2003, veröffentlicht am 3. Oktober 2003

Werter Herr Pfeifer!

Vorweg: Den Kampf gegen den Antisemitismus halte ich für einen wichtigen und unterstützenswerten Kampf, auch wenn ich glaube, dass es hier große Differenzen zwischen Ihnen und mir gibt, wie er denn am besten zu führen sei.

Ich denke diesbezüglich auch einiges getan zu haben. Umso mehr überraschte es mich, plötzlich selbst des Antisemitismus beschuldigt zu werden. Dieser Brief ist nun vorerst einmal ein persönlicher, dazu da, Ihnen Gelegenheit zu geben, Ihre Stellungnahme zu überdenken. Zur weiteren Lektüre habe ich auch einige Beiträge aus der Volksstimme beigelegt, für die ich nun schon seit 1994 schreibe.

Gleich eingangs möchte ich festhalten, dass ich von meinem Text „Terminator for Governator“ (Volksstimme 35, 28. August 2003) absolut keine Zeile zurücknehme. Der Artikel ist sorgfältig gearbeitet, die Formulierungen sind wohl durchdacht. Ich fühle mich daher auch nirgendwo erwischt, sondern nur verunglimpft. Die Bezichtigung des Antisemitismus ist nicht eine bloß abschätzige Kennzeichnung unter anderen, sie ist zweifellos eine der schwersten Vorwürfe, die man tätigen kann. Ist sie falsch, dann ist sie eine Infamie sondergleichen. Und sie ist falsch.

Zwei Sätze haben sie in ihrem Beitrag „Wien bleibt Wien“ beanstandet. Der erste lautet: „Wenn österreichische und amerikanische Idiotie zu einer einzigen kumulieren, dann kommt so etwas wie Arnold Schwarzenegger raus.“ Das finden Sie in ihrem zweiten Schreiben nur noch dumm, ohne allerdings zu sagen warum. Aber darum geht es hier nicht. Sie dürfen dumm finden, was Sie wollen, Hauptsache, Sie haben den Vorwurf zurückgenommen.

Nicht so beim zweiten inkriminierten Absatz: „Dass jener [Schwarzenegger, F. S. ] gewinnt, dürfte ausgemachte Sache sein, höchstens es gelingt, ihm irgendeine kriminelle Machenschaft anzuhängen, ein Nahverhältnis zu Jörg Haider oder gar den Nazis nachzuweisen. Aber auch da meint der Sohn eines österreichischen NSDAP-Mitglieds vorgesorgt zu haben. Das Holocaust Memorial Trust in Los Angeles wird ebenso wie das Simon Wiesenthal Centre in New York von ihm großzügig finanziell unterstützt. 1997 erhielt er von letztgenannter Institution das „National Leadership Award“. Arnie ist ein Antifaschist, zweifelsohne.“

Dazu schreiben Sie allen Ernstes: „Dieser antisemitische Furz des Schandl kommt ganz unbewusst, aber er ist laut und stinkt. Denn er drückt aus, was Rechtsextreme, aber auch linke Antisemiten glauben, dass Amerika von „Juden“ beherrscht wird, und dass diese diktieren.“ Warum dem so sei, das sagen sie allerdings nicht. Sie werden es auch nicht können. Der Beleg belegt gar nichts, zumindest nichts von dem, was sie sagen. Die helle Empörung, die Sie an den Tag legen, macht die Sache nicht besser, die Fäkalsprache (der Furz, der da laut ist und stinkt) lässt mehr Aufregung vermuten als Argumentation. Sie qualifizieren hier leichtfertig eine Passage ohne auch nur Kriterien der Qualifizierung angeben zu können. Und sie wiederholen das in ihrem zweiten Schreiben (Mund vom 8.9.03). Ich habe bisher niemanden getroffen, der Ihre Interpretation auch nur im entferntesten teilt.

Die Juden, die Amerika diktieren, werden mir angedichtet, weder der Absatz, noch der Text noch der Kontext lassen diese Deutung zu. Sie ist reine Willkür. Die Schlussfolgerung ist absolut nicht schlüssig. Sie ist in diesem Fall eine hartnäckige Einbildung sondergleichen, eine Projektion. Derlei abstruse Gedanken wären mir selbst in Zeiten, wo ich mich mit solchen Fragen wenig beschäftigte, nicht gekommen. Es ist schon ein starkes Stück, wenn man der primitivsten antisemitischen Codes bezichtigt wird, ohne dass auch nur ein Indiz dafür geliefert werden kann. Und als Draufgabe meinen Sie dann noch, ich sei so dumm, dass mir das nicht einmal auffällt. Welch Kompliment: Nicht einmal ein bewusster Antisemit soll ich sein, sondern einer, dem bewusstlos der Antisemitismus aus dem Bauch kommt, dem halt so auskommt, was in den Leuten drinnen ist. Na danke, kann ich da nur sagen und Glückwunsch zu dieser Ferndiagnose in Menschenkenntnis.

Es ist im heutigen politischen und (kultur)industriellen Geschäft üblich, sich durch Sponsoring Sympathie, Wohlwollen, Unterstützung, Indifferenz zu erwerben. Dieses Spendenwesen ist ein dem kapitalistischem Betrieb immanenter großer Markt: Es kennt politische Parteien, Vereine zur Förderung lediger Mütter, die Feuerwehr, die Heilsarmee, Fußball- und Rugbyclubs, aber auch jüdische Institutionen. Antisemitisch wäre es aus diesem allgemeinen gesellschaftlichen Prinzip ein spezifisch jüdisches zu konstruieren, nach dem Motto: „Gib den Juden Geld, dann unterstützen sie dich“ oder ähnlichen Schwachsinn. Das habe ich weder getan noch angedeutet.

Was ich gesagt habe, ist, dass Schwarzenegger meint, es sich hier richten zu können. Und das funktioniert ja auch ganz gut. In den mir bekannten einschlägigen Diskussionen wird, wenn immer was diesbezüglich über Arnie ins Spiel gebracht wird, gerade darauf verwiesen. Nur ein Beispiel: Timothy Noah etwa schreibt am 7. August, kurz nach Schwarzeneggers Auftritt in Lenos „Tonight show“ den Artikel „Schwarzenegger’s Nazi problem“: „Why on Earth didn’t Schwarzenegger take this opportunity to speak out against Waldheim? It surely isn’t because Schwarzenegger himself had any Nazis sympathies (though during the filming of the documentary Pumping Iron, he reportedly once made a foolish comment praising Hitler).“

Bezüglich Waldheim hat ihn Schwarzenegger enttäuscht, gleichzeitig schreibt Timoty Noah, Kolumnist des „Slate“ aber auch: „Rather than confront his Waldheim problem headon, Schwarzenegger has proclaimed his disgust for Nazism, raised money for education about the Holocaust, travelled to Israel (… ) and given generously to the Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, which in 1997 bestowed on him it’s National Leadership Award. ‚He wants to truck with … Waldheim‘, the Wiesenthal Center’s Rabbi Marvin Hier told the Jerusalem Post. ‚He probably did not have any clue as to the seriousness of the allegations against Waldheim at the time [i. e. , 1986]. To suggest that Arnold’s an anti-Semite ist presposterous. He’s done more to further the cause of Holocaust awareness than almost any other Hollywood star. ‚“

Wie taktisch (oder gelegentlich auch untaktisch) Schwarzenegger „his Waldheim problem“ (Timothy Noah) behandelt, demonstriert der gleiche Artikel. Noah zitiert hier aus „Wendy Leigh, Arnold: The Unauthorizised Biography“ eine Begebenheit zu Arnies Hochzeit, wo dieser gesagt haben soll: „My friends don’t want me to mention Kurt’s name, because of all the recent Nazi stuff and the U. N. controversy, but I love him and Maria does too, and so thank you, Kurt.“ Was heißt das nun, außer, dass die Freunde damals schon vor diesem positiven und lautstarken Bekenntnis zu Waldheim gewarnt haben, Arnold das aber (also am Tag seiner Hochzeit 1987) noch nicht einsehen wollte. In der Zwischenzeit ist er da „reifer“, also vorsichtiger geworden, wenngleich er sich noch immer nicht distanziert: „I hate to talk about it, because it’s a no-win situation“, sagte er dem Playboy 1988. (Stand so auch in meinem Volksstimme-Artikel)

Zusammenfassung: Der Verweis auf Schwarzeneggers Unterstützung jüdischer Institutionen war und ist immer noch das schlagendste Argument und die beste Versicherung gegen die Unterstellungen, dass er ein Antisemit sei oder Sympathien für die Nazis hege: Ob diese Vorwürfe zurecht oder zu Unrecht bestehen, habe ich nicht beurteilt oder kann ich auch nicht beurteilen. Dies war auch nicht Gegenstand meines Beitrags gewesen. Mir reicht, was der „normale“ Schwarzenegger so von sich gibt und was seine Filme ausdrücken. Mir ist es gar nicht darum gegangen Schwarzenegger meinerseits des Antisemitismus oder des Faschismus zu bezichtigen. Da weiß ich zu wenig, um hier eine sichere Aussage zu treffen. Aber auch wenn ich Schwarzenegger für keinen Faschisten halte, halte ich ihn ebenfalls für keinen Antifaschisten. Er ist hier indifferent. Der Terminator ist ein Kalkulator, der was werden will. Sein Verhalten ist dem Ziel angemessen. Arnie hat zugelernt, er weiß, was er wann und wo zu wem zu sagen hat, was er zu spenden hat, letztlich wie er sich verhalten muss, um politisch zu reüssieren. Das obligate politische Gerede des aktuellen Arnie halte ich für eine Mischung aus Eigenkalkül und angelerntem Medientraining.

Also noch einmal. Ob ich glaube, dass Schwarzenegger jüdische Institutionen aus taktischem Kalkül unterstützt, ein klares JA. Aber selbst wenn ich irren sollte, wäre das ebenso wenig antisemitisch wie wenn ich recht habe. Mein Text benennt nur einen konkreten Fall, Sie folgern aus dem konkreten Fall ein allgemeines Prinzip, um dann demagogisch zu fragen: „Welchen anderen Grund hat Schandl zu unterstellen eine Unterstützung jüdischer Institutionen sei nur eine „Vorsorge“? “ Das steht zwar nirgends und ist auch nirgends zu schließen, noch denke ich solchen Schwachsinn. Sie erliegen einem klassischem induktiven Fehlschluss: Weil ich sage, dass Arnold meint, es sich mit Spenden richten zu können, würde ich davon ausgehen, dass jede Unterstützung jüdischer Institutionen diesem Muster der Berechnung und Opportunität folgt und gar dem Wahn aufsitzen, die Juden würden Amerika beherrschen. – Welch Logik ist das? ?

Politik funktioniert da im Großen so wie im Kleinen. Als ich Gemeinderat der Alternativen Liste in Heidenreichstein gewesen bin (1985-1995), unterstützte ich regelmäßig den sehr regen „Verein Eltern behinderter Kinder“. Das war mir ein persönliches Bedürfnis. Den örtlichen Fußballclub hingegen unterstützte ich aus taktischem Kalkül. Ich wollte mir dort die Nachrede ersparen, dass ich ein neidiger Mensch sei und für den Sport nichts übrig habe. Vor allem wollte ich wegen dieser Nebensache keine Wähler verlieren. Den Kameradschaftsbund hingegen unterstützte ich überhaupt nicht, sondern bekämpfte ihn wie er mich. Das war mir ebenfalls ein persönliches Anliegen.

Diverse (um es vornehm auszudrücken) Ungenauigkeiten kennzeichnen Ihre Äußerungen, so auch Ihre Antwort auf den Blaha genannten Lohoff und die Grundrisse genannten Streifzüge resp. Krisis. Erstens haben Lohoff/Blaha &Co. nie gesagt, dass Sie gesagt haben, dass ich Antisemit sei, sondern bloß, dass ich in ihrem Text als solcher „figuriere“. Und das ist klar der Fall: Wenn jemand wie ich in eine Reihe mit AIK, Befürworter von Selbstmordattentaten, Rechtsextremen, linken Antisemiten und Anti-Bernhard-Beschimpfern gestellt werde, dann liegt diese Schlussfolgerung nicht nur nahe, sie drängt sich geradezu auf. Ihr Text hat nicht nur falsche Assoziationen zur Voraussetzung, er konstruiert in seiner Gestaltung ebensolche. Ich behaupte nun, dass Ihr „Wien bleibt Wien“ nur so gelesen werden kann, selbst wenn Sie es nicht dezidiert ausgesprochen haben. Ich weiß nicht, ob das Absicht ist, aber es ist der Fall.

Zweitens: von einer „Ostküste“ war weder in meinem Text, und auch nicht in dem von Lohoff, Blaha&Co die Rede. Wohl aber in letzterem von einem OSTUFER des Atlantiks, das selbstverständlich mit der Ostküste in den USA weder geographisch noch sonst wie in den Konnex gebracht werden kann, wie das bei Ihnen geschieht. Die Geographie geht nämlich tückischerweise so: Des Atlantiks Ostufer ist Europa, Amerika ist des Atlantiks Westufer. Sie schlussfolgern aber aus der falschen Lesart, dass hier ein Angriff auf die Juden (die Ostufer genannte Ostküste) stattgefunden hat, bringen das sofort in Zusammenhang mit dem unerträglichen Gerede von „gewissen Kreisen“ und schon ist ihre „Argumentation“ fertig: „Das kam auch implizit bei Schandl so heraus“. Nein, das kam explizit von Pfeifer so herein! !

Festzuhalten bleibt: Beiderseits des Teiches gibt es Idiotien, die Hollywood-Filme des Arnold Schwarzenegger gehören zu den größten amerikanischen Idiotien, ich halte jene für gemeingefährlich, in Aussage und Ästhetik für menschenfeindlich und brutal, ja faschistoid. Aber sie kennzeichnen ihren Helden. An diesen Filmen soll Schwarzenegger gemessen werden, an den Leichenparaden, dem aggressiven Antikommunismus u. v. m. Das habe ich getan. Und ähnliches werde ich auch weiter tun.

Drittens: Nirgendwo habe ich übrigens behauptet, dass jede Zahlung eines Nichtjuden für eine jüdische Organisation immer aus opportunistischen Gründen erfolgt. Für wie blöd halten Sie mich eigentlich? Es gibt verschiedene Gründe, wem etwas zu spenden. Siehe oben. Bezüglich Schwarzenegger habe ich eben diese meine Einschätzung und Sie eine andere. Ihre ist nicht weniger antisemitisch als meine.

Viertens: Ihre Behauptung, ich traue einem Sohn von Nazi-Eltern nichts anderes zu als ihren Eltern, ist ebenso völlig irreführend. Selbstverständlich tue ich das nicht, und kenne auch genügend Leute, die mit den Inhalten ihrer Eltern oder Großeltern radikal gebrochen haben. Genealogischen Verdächtigungen waren nie meins. Abgesehen davon, dass Sie mir einmal mehr ein hohes Maß an Dummheit unterschieben, mit dem ich wahrlich nicht dienen kann, ist dies dem Text in keiner Zeile zu entnehmen.

Warum aber ist Schwarzenegger über 15 Jahre nicht dazu imstande, sich von Waldheim zu distanzieren? Frage ich mich, fragt Timothy Noah sich, fragen Sie sich anscheinend nicht. Ich denke zu wissen, warum: Distanziert er sich, dann ist sein österreichischer Fanclub von Krone und Stammtisch beleidigt, da er ja die Volksgemeinschaft verraten hat. Übt er allerdings Solidarität mit „Freund Kurt“, dann kann er aktuell nicht mehr Governor werden, bzw. würden einige Regisseure in Zukunft auf seine Mitarbeit weniger Wert legen etc. – Genau das meint er, der Winner, wenn er von einer „no-win-Situation“ spricht. Aber auch das war meinem ursprünglichen Beitrag zu entnehmen.

Werter Herr Pfeifer, Ihre Texte zu mir sind reine Phantasmata, die Vorwürfe entbehren jeder Grundlage. Sie haben sich ganz offensichtlich in einen Wirbel geschrieben. Nun denke ich, dass das nicht passieren soll, aber passieren kann. Wir mögen in dieser oder jener Frage Differenzen, ja grobe Meinungsunterschiede haben, die Bezichtigung darf auf jeden Fall nicht weiter im Raum stehen bleiben. Ich gehe daher davon aus, dass Sie die Antisemitismus-Vorwürfe gegen mich umgehend zurücknehmen und dies in den Organen, wo jene getätigt wurden, auch öffentlich kundtun.

Mit freundlichen Grüßen

Franz Schandl

Anlagen

Diverse Artikel aus der Volksstimme 1994-2002

Timothy Noah, Schwarzenegger’s Nazi problem


L. Gerold Wallner, Nicht undumm! , 1. Oktober 2003

Ein mir befreundeter Journalist wurde anlässlich eines Artikels, den er über Motive, Absichten und Aktivitäten des Schauspielers Schwarzenegger schrieb, des Antisemitismus geziehen.

Der Kabarettist Joseph Hader hat einmal in einem Programm behauptet, es wäre so einfach, politisches Kabarett zu machen: Es genüge, sich auf die Bühne zu stellen und zu sagen „Schüssel“, und er Saal lacht; „Haider“, und der Saal brüllt.

Ähnlich Reflexhaftes passiert hier. Der mir befreundete Journalist hat zwei jüdische Organisationen und Spenden an sie in seinem Artikel (wie oben nach zu lesen) erwähnt. Und der Saal tobt.

Die angesprochenen Organisationen sind weltweit geachtet, sie zu unterstützen, ist also durchaus honorig. Welche Motive Schwarzenegger dabei gehabt hat – und nichts spricht dafür, dass der Kandidat deutlich und unlauter vom sozialen Verhalten abweicht, das in den USA Prominente an den Tag zu legen haben -, steht hier aber nicht zur Debatte.

Was hier verhandelt wird, ist „ein Antisemitismus aus dem Bauch“. Dabei allerdings handelt es sich um eine doppelte Unterstellung, um die Unterstellung einer Unterstellung. Dem mir befreundeten Journalisten wird unterstellt, er halte für richtig, dass (zweite Unterstellung) Schwarzenegger mit der (unterstellten) Macht jüdischer Organisationen zu kämpfen habe, ohne ihre wohlwollende Unterstützung und ohne ihren käuflichen Einfluss die Wahl nicht gewinnen könne, und dass diese Unterstellung (eines antisemitischen Stereotyps) gegenüber dem kalifornischen Kandidaten für den mir befreundeten Journalisten etwas vollkommen Einsichtiges sei, dem er „aus dem antisemitischen österreichischen Bauch heraus“ nur beifällig zustimmen könne.

Es ist nicht lustig, sich mit dieser Art von Polemik auseinander setzen zu müssen. Wäre diese Auseinandersetzung nicht bis zur Abwehr eines Rufmords gediehen, hätten wir Sie nicht mit der Kompilation dieser – nennen wir s Debatte – belästigt.


M. Miro Safranek, Anmerkungen zu: Karl Pfeifer – Lorenz Glatz,

MUND am 3. Oktober 2003

Als einer von wahrscheinlich vielen teils interessiert, teils fadisiert Mitlesenden der Auseinandersetzung zwischen Karl Pfeifer und Lorenz Glatz der letzten Tage und Wochen, die nun offenbar zu einem (für mich) ungelösten Endpunkt gekommen ist, möchte ich kurz festhalten: Es gibt in so vielen „Antisemitismus-Streitigkeiten“ innerhalb der Linken, die in den letzten Monaten und Jahren zu verfolgen waren, immer wieder zu Tage tretende gemeinsame Strukturen. Und diese Strukturen muss man in der Schwarzenegger-Diskussion zwischen Pfeifer und Glatz mit Ernüchterung ein weiteres Mal zur Kenntnis nehmen: Die beiden wesentlichen Phänomene:

1. Die Sache selbst, der Ausgangspunkt der Diskussion, die antisemitische Tat sozusagen, bleibt von Anfang an unberührt. Der Vorwurf des Antisemitismus prallt durch einen Handstreich des Sich-Verteidigenden ab und wird als Vorwurf des Vorwurfs in die Diskussion zurückgeworfen. Übrig bleibt die sich aufblähende Hülle eines Meta-Streits, während der wirkliche antisemitische Kern der Sache, die judenfeindliche Realität, in der wir leben, unhinterfragt bleibt.

2. Die verlaufende und schließlich völlige Personalisierung der Diskussion, sodass am Endpunkt nur noch über individuelle Charaktereigenschaften der Diskutierenden gestritten wird. Wachsamkeit gegenüber antisemitischen Aussagen oder Handlungen wird somit im Verlauf des Streits immer mehr als paranoides Hirngespinst einer Einzelperson dargestellt.

Das Ernüchternde an der Sache ist also, dass Lorenz Glatz bis zuletzt nicht bereit war, die Textstelle (in Franz Schandls Artikel „Terminator for Governator! „), um die es sich im Vorwurf Pfeifers handelte, zu überdenken, den Vorwurf ernst zu nehmen, vielleicht sogar sich des antisemitischen Hintergrunds der Aussage bewusst zu werden. Nichts dergleichen.

Stattdessen findet man eine Textpassage vollkommen okay, in der nichts anderes gesagt wird, als:

– dass das Simon Wiesenthal Center in New York oder der Holocaust Memorial Trust in Los Angeles die Macht hätten, einen Politiker (wie Schwarzenegger) so zu diskreditieren, dass dieser keine Chance mehr auf ein hohes Amt im Staate besäße.

– dass diese „Macht“ darin bestünde, mögliche Nazi-Vergangenheiten oder rechtsextreme Anschauungen von Personen zu veröffentlichen. Und zwar so, als handelte es sich dabei um schützenswerte familiäre oder persönliche Geheimnisse oder auch bloß um mutwillig und mit Berechnung aus dem Hut gezauberte Anpatzereien.

– dass diese explizit jüdischen Institutionen allerdings vom Gebrauch dieser Macht mittels großzügiger(! ) finanzieller Zuwendungen abgehalten werden könnten.

Und die Verteidigung dieses (gar nicht mal so) unterschwellig geäusserten antisemitischen Schwachsinns ist vollends gelungen. Durch Übermüdung der Beteiligten.

liebe Grüße

Miro Safranek


N. Claudia Volgger, über das unbehagen am schandl, MUND, 6.10.2003

vorweg: an sich hätte ich nicht gedacht, dass arnold schwarzeneggers kandidatur für den gouverneursposten in kalifornien ein sonderlich ergiebiges thema für linke befassung sein könnte. anlässlich des aufstands, der wegen einer kritik karl pfeifers im augenblick im lager der streifzüge veranstaltet wird, und des inkriminierten artikels von schandl zeigt sich, dass dies ein irrtum war: am feindbild schwarzenegger bilden sich etliche grundzüge der linken unbeholfenheit gegenüber dem nationalsozialistisch-klerikalfaschistisch-völkischem erbe ab. offenkundig ist die mischung von ressentiments, die den gesamten artikel durchzieht: schandls unwille, das selbst gewählte thema ernst zu nehmen, äußert sich in einer parade der klischees (die selbstverständlich als vorhandene, als die der anderen, der kronenzeitung, der blöden österreicher, der einfältigen amerikaner eingeführt werden, die der autor nur ironisch aufgreift). man erfährt nichts über die amerikanischen politischen strukturen, die eine solche kandidatur begünstigen: das ist gut so, denn ginge schandl näher auf sie ein, dann würden die unterschiede zu den entsprechenden österreichischen spielen und spielregeln deutlich, und das bekäme schandls kernthese: „die amerikaner“ seien von „den österreichern“ in ihrer idiotie nicht mehr zu unterscheiden, schlecht. weshalb, fragt man sich bei der lektüre, wurde dieser artikel überhaupt geschrieben? wenn doch wenig drinsteht, das sich nicht mit der kurzfassung „arnie-governor-bruhaha“ erschöpfend wiedergeben liesse?

es mag sein, dass schandls ironische bemerkung, er erfülle hiermit seine „doppelte patriotische pflicht“, eine dritte, selbstauferlegte, ebenfalls sehr patriotische verpflichtung übersieht. nämlich die wiedereingemeindung des ausgewanderten steirers, dessen migrantische zweit-identität schandl dem „schweren brocken“ als maske vom gesicht ziehen möchte, um das „gleiche kerbholz“ zu enthüllen, das schwarzenegger mit haider verbindet. und dabei auch gleich zu bemerken, dass gefahr bestehe, der 40 millionen schwere schauspieler und neo-politiker werde seinen lebensabend als österreichischer präsident beschliessen, wenn nicht als miteigentümer (mit stronach) der republik. hier geblieben! ausgewandert wird nicht, steirer bleibt steirer, und das ami-getue kann er sich schenken: er ist erkannt. vom schandl. warum ist das nötig? warum muss ein republikaner, also ein doch mühelos als solcher erkennbarer aufrechter rechter, unbedingt auch noch ein zweit-haider sein? warum genügt es nicht, schwarzenegger in dem, was er tatsächlich sagt, zu zitieren, warum müssen ihm noch brandgefährliche österreich-kolonialistische absichten unterstellt werden (sei es auch in form von – plumper, weil hassgefärbter – ironie: relevant ist hier, dass jemand auf ein solches szenario überhaupt kommt)? schandl meint, „differenzen außerhalb der simulierten“ (zu haider) müssten „erst erfunden werden“. und hier sehe ich den kern, auch die motivation, dieser ausformulierung von verachtung (und ängsten). denn eine differenz, die man schon als unterschied bezeichnen kann, fällt ins auge: die völlig verschiedene art, wie schwarzenegger mit der nazi-vergangenheit seines vaters umgeht.

der war ss-mann, in kriegsverbrechen wahrscheinlich verwickelt. was tut schwarzenegger mit dieser familiären verstrickung? – er informiert sich. und zwar beim wiesenthal-center. schon dieser schritt ist in den augen nicht sonderlich entnazifizierter zweifellos verrat am vater. ihm nachzuforschen, und das beim gehasstesten feind: ein ordentlicher deutscher sohn täte das nicht. es gibt auch nicht viele, die es tun. kann sich irgendjemand vorstellen, dass haider es täte?

– er distanziert sich in eindeutigen worten. und macht den verrat damit öffentlich. demgegenüber: haiders streckenweise selbstzerstörerische apologie der „kriegsgeneration“.

– er zieht materielle konsequenzen.

und spendet an jüdische organisationen – den rassenfeind seines vaters – und an behindertenverbände – in ss-sicht unwertes leben. haider: sitzt im arisierten bärental.

schwarzeneggers verfahren ist, in all seinen schritten und seiner klarheit und konsequenz, eines mit sicherheit nicht: österreichisch. (ich persönlich halte es auch nicht für idiotisch. ) wahrscheinlich ist es amerikanisch. ideologisch ist es nicht. man könnte es anständig nennen. und hier setzt die kränkung ein. dass einer, den man als linker glaubt, als klassischen rechten idioten selbstverständlich verachten und belächeln zu können, sich zur geschichte seiner familie so deutlich verhält: das darf nicht sein. es ist die kehrseite des schreckens darüber, dass die annahme linker wertvorstellungen nicht automatisch von den ansozialisierten völkischen und antisemitischen tendenzen befreit. beide reflexe führen zu verleugnung von realität, wo das nicht reicht: zu reichlich gewalttätigen interpretationen. schandl verschweigt: die ersten beiden schritte schwarzeneggers. er deckt auf: das unterstellte motiv der spenden (wozu er die an die behindertenorganisationen unterschlägt), nämlich, sich einen „persilschein“ gegen anschuldigungen zu besorgen. und zwar als einziges motiv. (eindeutig motiviertes handeln ist selten und, wenn es vorkommt, üblicherweise mörderisch. zu spenden führt es eher nicht). abwehrzauber, das ganze: aus der bösen mehrdeutigen wirklichkeit ein ordentliches bild gemacht, in dem die richtungen wieder klar voneinander geschieden sind, orientierung einfach und ein feind ganz und gar, von oben bis unten, innen wie aussen durch und durch schlecht ist.

ob diese von karl pfeifer inkriminierte passage überdies antisemitisch gemeint (oder unterbewusst so konnotiert) ist, interessiert nicht. sie kann so gelesen werden und wurde so gelesen. damit ist sie kritisierbar. ob es auch andere deutungen gibt, interessiert zunächst ebenfalls nicht: dass an einem gebrauchs-artikel wie diesem von schandl normalerweise eher keine komplizierte text-exegese veranstaltet wird, ist vorauszusehen, und der autor haftet nicht für das, was er gemeint hat, sondern für das, was er geschrieben hat, also auch für missverständliches. es wäre für schandl so einfach gewesen: eine kurze antwort „war so nicht gemeint, (sondern so), tut leid, wenn missverständlich formuliert, werde in zukunft mehr darauf achten“ – und aus. gegessen. aber das geht natürlich nicht, wenn antisemitismen nicht als teil des österreichischen erbes verstanden, sondern in bester katholischer tradition als todsünde gesehen werden, deren bezichtigt zu werden das seelenheil kostet. statt dessen geschehen: zunächst werden freunde als leumundszeugen vorgeschickt, die zudem das wahre verbrechen in form diverser (gewiss bedauerlicher) flüchtigkeitsfehler der kritik entdecken. nachdem das den kritiker nicht sonderlich überzeugt, entdecken die „streifzüge“ eine „infame rufmordkampagne“ einer verfeindeten „antideutschen“ gruppe, (der sie karl pfeifer umstandslos einverleiben), stoppeln ein „dossier“ mit privaten briefen, einer davon ohne wissen und zustimmung des autors angeeignet, zusammen und verschicken es an geklaute adressen*, versehen mit der schandel’schen drohung, man werde sich diejenigen, die jetzt aber nicht sssssssoffffortt! an die seite des rufmordopfers eilen, sehr. genau. anschauen. und merken!

diese idiotie hat nun, das sei ausdrücklich vermerkt, sicher nichts amerikanisches, sondern ist, in ihrer lächerlichkeit, dem anflug von hysterischem größenwahn in der opferseligkeit, der unterschwelligen brutalität: so typisch österreichisch wie schon schandls schwarzenegger-bild.

claudia volgger

*die redaktion hat, von einem leser aufmerksam gemacht, den verdacht, dass diese adressen aus dem MUND gestohlen wurden. es wäre hilfreich, wenn menschen, deren mail-adressen im MUND erschienen sind und die das „pfeifer-dossier“ unverlangt zugesendet bekommen haben, uns das mitteilen.


O. Franz Schandl, Welch ein Wochenende, Mail vom 6. Oktober 2003

Hallo!

Welch ein Wochenende! Dass einem die Ereignise so zu Unterstützung eilen, hätte man nicht zu hoffen gewagt. Nicht nur Schwarzenegger ist nach den neuesten „Enthüllungen“ in argen Turbulenzen, nein mit ihm auch Karl Pfeifer und jene Leute, die ihn hineintheatert haben, die Antideutschen. Was Schwarzenegger so treibt und sagt, das setze ich mal voraus. Es war ja auch in allen einschlägigen Zeitungen nachzulesen. Außerdem ist es ist in den unten angeführten Websides dem amerikanischen Original zu entnehmen.

Der Pfeifer-Skandal wird schneller als man denkt zur Pfeifer-Posse, – je mehr sein gegen mich verteidigter Kandidat Arnie in die Schlagzeilen gerät. Dessen aufgesetzter Antifaschismus wird offensichtlich karikiert durch Sprüche von gestern. Es ist ein antideutscher Lachschlager: Die Antideutschen sind durch den vorgeschickten, aber ungeschickten Pfeifer (samt seiner Redaktionsassistentin Claudia Volgger) angetreten, einen Sexisten, Rassisten und Sprücheklopfer der übelsten Sorte zu verteidigen. Pfeifer müsste Arnie nun nach den eigenen Kritierien seiner derben Sprache einen braunen Furzer nennen. Warum tut er es nicht?

Also: Wer tätigte sexuelle Übergriffe? – Schwarzenegger oder Schandl? Wer bewunderte Hitler? – Schwarzenegger doer Schandl? Wer trat dafür ein, dass illegale Einwanderer nicht medizinsich versorgt werden? – Schwarzenegger oder Schandl? Wer äußerte sich positiv zum Apartheidsystem in Südafrika? – Schwarzenegger oder Schandl? Wer ist der gute Antifaschist? – Schwarzenegger oder Schandl? Tja, und wer untersützt hierzulande die patriotische Front für Schwarzenegger, noch dazu in trauter Einigkeit mit Krone, Stoakogler und Stammtisch? – Pfeifer/Volgger oder Schandl?

Was jetzt „aufgedeckt“ wurde, war allerdings schon bekannt. Timothy Noah (wohlgemerkt ein Verteidiger Schwarzeneggers! ) etwa schrieb am 7. August (! ! ) in http://stacks.msnbc.com/news/949666.asp?cp1=1, dass „during the filming of the documentary Pumping Iron, he reportedly once made a foolish comment praising Hitler.“ Die „neuen“ Erkenntnisse bestätigen dies nun nicht nur, sie untermauern und erhärten es auf vielfältige Weise. Und es gibt nicht nur diesen einen „Ausrutscher“, siehe Websides unten.

Karl Pfeifer und Claudia Volgger meinen nun in geistesungegenwärtiger Starrsinnigkeit, Schwarzenegger weiter verteidigen zu müssen. Nicht einmal das letzte Wochenende hat sie belehrt. Man lese nur Claudia Volggers Text im MUND von heute (6.10): www.mund.at, ja wir bitten inständig darum, denn anders als die anderen, versuchen wir ja nicht Lektüremöglichkeiten zu verhindern und Zensur auszuüben wie das im MUND gegenüber unseren Texten des öfteren nun schon geschieht. Wir haben da keine Furcht, also: Volgger lesen, Schandl lesen, vergleichen, beurteilen. Denn was soll man sagen? Ach ja, da fällt mir tatsächlich ein Zitat von Marx und Engels zu Volgger ein: „Solch ein Meisterwerk kritisiert man nicht. Man verdürbe sich den Spaß an seiner Fratzenhaftigkeit“ (MEW 18: 431)

Auch folgenden Satz bitten wir zweimal, dreimal, fünfmal zu lesen: „Was bitte hat das mit einem jungen Österreicher zu tun, der in die USA vielleicht gerade wegen der politischen und kulturellen Atmosphäre Österreichs ausgewandert ist? „, schrieb Karl Pfeifer am 8. September allen Ernstes im MUND, als er sich gegen die Bezeichnung „Persilschein“ in Zusammenhang mit Schwarzenegger verbat. In der Zwischenzeit sollte das doch zumindest klar sein. Kommentare, die genau jenes behaupten, was ich in der Volksstimme sehr vorsichtig als Möglichkeit hingestellt habe, häufen sich. Lauter antisemitische Furzer?

Vielleicht sollten sich die mitlesenden antideutschen Flakhelfer (Begriff absichtlich, nicht zufällig! ) überlegen, wie sie den armen Pfeifer, den sie da in eine aussichtslose Kontroverse reingeritten haben, wieder rausholen können. Denn was sich da jetzt nach den letzten Ereignissen noch mehr als vorher abzeichnet, ist das absoute Desaster. Oder ist ihnen das wurscht? Was dann natürlich auch alles über den Charakter dieser Leute sagen würde. Wir erwarten die ersten Meldungen der begnadeten Künstler des freien Anwurfs, der Schiedel und Schmidinger (na habt ihr nicht eine Querfront auf Lager? ) und all der Kafeeleute nun schon des längeren. Haben sie kalte Füße bekommen? Oder sind sie auf der Suche nach Denunziationsmaterial und werden nicht fündig? Na geh! Nur nicht so scheu, jede Unterstellung ist doch möglich. Steht nichts in den „Scharfen Schafen“, worauf man eine „unproduktive Empörung“ (Karl Kraus) aufbauen könnte? Der Kindergarten glaubt’s schon. Eine der antideutschen Kindergartenbrigaden hat bereits vorgemacht wie es geht, als sie mich mit Strutz, dem Kärntner FPÖ-Chef, in eine Reihe halluzinierte, ein kleiner Link von Cafe Critique, schon ist man dort: http://www.gegennazis.at.tf/ Originell nicht? Also, nur keine Zurückhaltung, jede Denunziation ist erlaubt.

Die groteske Situation ist nun die: Pfeifer hat seinen amerikanischen Papphelden Schwarzenegger gegen gar nicht erhobene Vorwürfe meinerseits verteidigt, die sich nun allerdings alle als richtig herausstellen. Der Judenwitzreisser, Freund des südafrikanischen Arpartheidsregime, der grapschende Sexist und Hilterverehrer -inzwischen alles belegt – hat irgendwann mal kapiert, dass einiges davon der Karriere in den USA hinderlich ist und hat es folgerichtig aufgegeben. So ein Hitler-Interview würde ihm niemals mehr passieren, nicht einmal „Freund Kurt Waldheim“ läßt er mehr grüßen oder offiziell hochleben. Aber vielleicht kommt das wieder, wenn er mal für den österreichischen Bundespräsidenten kandidiert. An eine Läuterung Schwarzeneggers zu glauben, ist allerdings schwer vorstellbar (das glauben nicht einmal kalifornische Demokraten und Filmstar-Kollegen). Die Haltung („das Kerbholz“) hat sich nicht geändert, was ihr genommen wurde, ist der postive Bezug auf den Faschismus und das antijüdische Ressentiment. Das ist dort ganz einfach nicht „in“. Der kulturindustrielle Typus lebt und gedeiht, er muss nicht (zumindest nicht aktuell) ins nazistische Fettnäpchen treten. Näheres dazu in meinem Resümee zum Pfeifer-Skandal.

Noch einmal: Karl Pfeifer hat seine Bezichtigung zurückzunehmen und sich für seine Anwürfe zu entschuldigen. Nicht nur zu behaupten, dass ich kein Antisemit bin. Das ist zu wenig. In dem Augebnblick einer diesbezüglichen Veröffentlichung, betrachten wir den Pfeifer-Skandal für beendet, wird aber weiter skandalisiert, dann werden wir den Skandal zu seiner höchsten Blüte treiben. Versprochen.

Mit ausgesprochen freundlichen Grüßen (vor allem an die ersten neuen Abonnenten) und einem großen Dankeschön für die Unterstützung in den letzten drei Tagen verbleibt

Franz Schandl

P. S. : Hier noch die sehr informativen Internet-Seiten:

http://uk.news.yahoo.com/031003/325/ea387.html

http://www.freerepublic.com/focus/f-news/994154/posts

http://la.indymedia.org/news/2003/09/80477.php

http://uk.news.yahoo.com/031003/325/ea387.html

http://www.livejournal.com/users/insomnia/302309.html

Außerdem besucht unsere Homepage: www.streifzuege.at

P. P. S. Bösen Gerüchten zu Folge singt in der MUND-Redaktion der antideutsche Chor unter der Leitung von Karl Pfeifer, Claudia Volgger und Heinz Nessizius neuerdings regelmäßig den antifaschisten Schlager „Steirermen san very good“. „This is a very popular folkish song in Austria“ heißt es ganz hollywoodisch auf der Homepage der Stoakogler über ihren größten Hit. Hier ist er:

Es gibt in Zell am Ziller so fesche Ladykiller,

die glaub’n, nur in Tirol fühl’n sich die Damen wohl.

Da frog‘ i mi: Was will er, der Kerl aus Zell am Ziller?

Wenn oane erst an Steirer siagt, de woaß, auf wen sie fliagt.

Steirermen san very good, very very good for Hollywood,

Arnold und sein‘ Steirerschmäh kennen’s drüb’n in USA.

Steirermen san very good, very very good for Hollywood,

Dirndl, schau dir olle an, dann möchst‘ an Steirermann.

Steirermen san very good, very, very good for Hollywood,

Arnold und sein‘ Muskelschmäh kennen’s drüb’n in USA.

Steirermen san very good, very, very good for Hollywood,

Muskeln, Schönheit und a Hirn, des kannst exportier’n!

Dann san do no die Wiener, die glaub’n, a Senorina,

die steht auf Weana Schmäh, da sog i glei: O je!

Die Steirer Qualitäten, de san – des kunnt i wetten –

ja rundherum längst anerkannt, sogor im Burgenland.

Steirermen san very good, very, very good for Hollywood,

Arnold und sein‘ Steirerschmäh….

D’rum, Madl, gib guat ocht, wenn oana ummalocht,

dann tua net ummanand, nimm an Buam aus unser’m Land.

Ja, Steirermen san very good, very, very, good for Hollywood,

Arnold und sein‘ Muskelschmäh…

Steirermen san very good, very, very good for Hollywood,

Arnold und sein‘ Steirerschmäh…


P. Martin Birkner, Auch ein Unbehagen, MUND, 7. Oktober 2003

Auch ein unbehagen, oder: moral und nichtvorhandene urteilskraft.

Die an rufmord grenzende mund-„debatte“ um franz schandl hat es bewiesen. Wenn es einer oder einem um emanzipative soziale kämpfe geht, transnational und links, muss diese diskussion beendet werden oder mensch sich zumindest davon verabschieden.

Ersteres wird nicht gelingen, da die hüterInnen des steins der weisen dies nicht zulassen werden, ist doch dessen verteidigung einzige und damit oberste moralische pflicht.

Hingegen ist das verloren gegangen, was eigentlich so unheimlich wichtig wäre in der heutigen, unangenehmen zeit, die aber auch mehr als eine chance zur restrukturierung einer emanzipatorischen linken böte. Aber halt: das ist ja der mob!

Wenn ich wegen drohender moralkeule nicht mal mehr über arnie-governor-bruhaha lachen darf, ist es zeit, die konsequenzen zu ziehen, eine wahl zu treffen: für das „glück kommunist zu sein“ (negri) und gegen die traurigkeit des vorzeichenverkehrten volkskategorie-moralautomatismus.

Es gibt wichtigeres zu tun, nicht zuletzt, vernünftige(ja, wirklich! ) diskussionen über antisemitismus zu führen. Bevor jetzt noch der goldene mittelweg bedient werden muss sag ich lieber adieu mund, hello urteilskraft.

Martin birkner


Q. Karl Reitter, Zur Kampagne gegen Franz Schandl, MUND, 7. Oktober 2003

Warum ich den MUND schon lange abbestellt habe, und warum dieser Entschluß sich durch die aktuelle Debatte mehr als rechtfertigt.

Nicht nur Franz Schandl hat mich auf die derzeit laufende Kampagne gegen ihn aufmerksam gemacht. Auf die gegen ihn gerichteten Denunziationen möchte nicht direkt eingehen, der Mitherausgeber der „Streifzüge“ weiß sich wohl trefflich zu wehren. Daß derartige Botschaften im MUND überhaupt möglich sind, liegt in der Verantwortung der HerausgeberInnen des MUNDs, die schon seit geraumer Zeit Beträge nicht nur dulden, sondern offenbar auch fördern, die aus folgenden ideologischen Elementen zusammengestückelt sind und in wechselnden Kombination regelmäßig gepostet werden:

1. Die Ersetzung des binären Antagonismus zwischen Lohnarbeit und Kapital durch die Kategorie des Volkes und der These, aus Geschichte und das Geschick des (vorzugsweise deutschen) Volkes resultiere eine klassenübergreifende Gemeinsamkeit, die kollektiv zu bewältigen wäre. Methodisch ist dieser Ansatz von rechten und rechtsradikalen Geschichts- und Gesellschaftsinterpretationen oft kaum unterscheidbar, die Differenz besteht hauptsächlich in der Bewertung der angeblich alle sozialen Konflikte relativierenden Aufgaben des ganzen Volkes.

2. In der psychoanalytisch vorgetragenen Variante der Lehre vom gemeinsamen Schicksal des (deutschen) Volkes, wird ein kollektives Unbewußte als Resultat der gemeinsamen Geschichte imaginiert und damit die, der Psychoanalyse inhärenten, Immunisierungsstrategie gleich mitkassiert. Läßt sich auf der Ebene der bewußten Aussagen noch ein Diskurs über das Gemeinte führen, so ermöglicht der Bezug auf das Unbewußte nicht mehr argumentativ widerlegbare Behauptungen.

3. Die Deutung sozialer Konflikte und historischer Entwicklungen durch religionssoziologische Schemata, die pauschale Aussagen über DIE Religionen ermöglichen sollen, praktisch zur eurozentristischen und rassistischen Diskriminierung des Islam dienen. Religion wird nicht mehr aus sozialen und politischen Verhältnissen erklärt, sondern umgekehrt. Plädierte Marx dafür, religiöse Fragen in weltliche zu verwandeln, so verwandelt nun der antideutsche Geist weltliche Fragen in religiöse.

4. Die Affirmation der aktuellen Form der Vergesellschaftung in den Metropolen, insbesondere in den USA, als aktuell unüberholbare, fortgeschrittenste Form politischer, sozialer und kultureller Verhältnisse. Daraus abgeleitet wird einerseits eine strukturell emanzipatorische Rolle staatlicher und imperialer Politik, andererseits die prinzipiell reaktionäre Rolle jeglichen Widerstandes.

5. Ein völliges Desinteresse an aktueller prokapitalistischer und reaktionärer Politik und dem spiegelbildlichen Vergnügen, sich dagegen formierenden Widerstand und linke Initiativen nach Möglichkeit zu denunzieren.

Für mich stellen Beiträge, in denen diese Elemente allein oder in Kombination vertreten werden keinesfalls linke und diskussionswürdige Standpunkte dar. Da der MUND für diese Positionen durchaus ein Forum darstellte und darstellt, hatte und hat der Bezug des MUND für mich keinen Sinn mehr. Die laufende Rufmordkampagne gegen Franz Schandl stellt da nur noch das Tüpfelchen auf dem Weltanschauungs-I des antideutschen Ungeistes dar.

grundrisse – zeitschrift für linke theorie & debatte:

http://www.grundisse.net


R. Thomas Schmidinger: Franz Schandl, MUND, 7. Oktober 2003

Ich wollte mich zu den ständigen Attacken, die Franz Schandl seit einigen Monaten gegen mich reiten zu müssen scheint, eigentlich nicht äußern. Selbst nachdem in einem der Texte von Robert Kurz über „die Antideutschen“ ein privates mail von mir an Franz Schandl zitiert wurde, habe ich mich jedes Kommentars enthalten, da mir die paranoide Fixierung der Krisis-Gruppe und ihres österreichischen Ablegers auf „die Antideutschen“ schlicht lächerlich erscheint.

Da Franz Schandl neuerdings jedoch ungefragt ein „Pfeifer-Dossier“ per e-mail an mich verschickt hat (und dieses offensichtlich auch sonst weit verbreitet wurde) sehe ich mich veranlaßt kurz einer der Behauptungen des Streifzüge-Redakteurs zu widersprechen.

Schandl schreibt: „Wären es Schmidinger oder Schiedel oder auch Stephan Grigat gewesen, ich hätte keine Zeile verloren. Daher hat es wohl auch Karl Pfeifer, der pensionierte Redakteur der jüdischen Zeitung „Die Gemeinde“ sein müssen. Es ist da gar nicht so wichtig, ob er dazu von diesen Leuten angehalten, ermutigt oder bloß hineintheatert worden ist. Dass das Antideutsche da seine Finger im Spiel hatte, offenbart der Jargon des Artikels „Wien bleibt Wien“ (Dokument B). Dies nachzuweisen ist mühelos möglich, und ich werde es auch gegebenenfalls tun.“

Dazu nur folgende Klarstellung: Weder bin ich Mitglied einer antideutschen Gruppe (ich habe auf Anfrage von Franz Schandl sogar noch für dessen Zeitung geschrieben als sich der Kritische Kreis bereits gespalten hatte – was ich im Nachhinein leider als Fehler betrachte) noch habe ich irgend etwas mit dem Artikel von Karl Pfeifer über den Volksstimme-Artikel von Franz Schandl zu tun.

Karl Pfeifer pflegt seine Artikel ebenso wenig mit mir abzusprechen wie ich meine mit ihm. Ausserdem fordere ich Schandl dazu auf seine Ankündigung, nachweisen zu können, dass hier „Antideutsche“ ihre Finger im Spiel hatten, wahr zu machen und Beweise auf den Tisch zu legen oder aber zu schweigen.

Über die weiteren Ausführungen Schandls werde ich mich genauso wenig äußern wie über die bisherigen Ausfälle der Krisis-Gruppe gegen mich und andere Lieblingsfeinde Schandls und Kurz‘. Ich habe besseres zu tun als mich mit der fortschreitenden Paranoia dieser Herren zu befassen.

Thomas Schmidinger


S. Martin Mair, Claudia Volgger als Inquisitorin? , MUND, 7. Oktober 2003

Claudia Volgger als Inquisitorin? (ad: „interssiert nicht“)

Etwas verwunderlich insgesamt, wieviel Aufwand um die „Bruhaha-Polemik“ von Franz Schandl gegen Arnold Schwarzenegger getrieben wird. Nun denn, da mag ja jeder seine Meinung pflegen.

Allerdings in der prinzipiellen Frage, was in einen Text hineininterpretiert werden kann, wo es auch um Grundrechte des menschlichen Zusammenlebens geht, hoert sich der „Spass“ meines Erachtens auf.

Claudia Volgger schrieb im MUND :

„ob diese von karl pfeifer inkriminierte passage überdies antisemitisch gemeint (oder unterbewusst so konnotiert) ist, interessiert nicht. sie kann so gelesen werden und wurde so gelesen. damit ist sie kritisierbar. ob es auch andere deutungen gibt, interessiert zunächst ebenfalls nicht: dass an einem gebrauchs-artikel wie diesem von schandl normalerweise eher keine komplizierte text-exegese veranstaltet wird, ist vorauszusehen, und der autor haftet nicht für das, was er gemeint hat, sondern für das, was er geschrieben hat, also auch für missverständliches.“

Schon der totalitäre/hoheitliche Duktus von wegen „interessiert nicht“ laesst bei mir die Alarmglocken schrillen. Wer gibt denn Claudia Volgger die (All)Macht zu bestimmen, was der Allgemeinheit zu interessieren hat oder nicht? (Ich nicht! )

Interesse ist immer individuell und personenbezogen. Claudia Volgger mag ruhig schreiben „interessiert MICH nicht“ aber nicht im absolutistischen Ton von wegen „interessiert nicht“.

Ebenso einen Hauch von Totalitarismus hat die Ansage „Ob es auch andere Deutung gibt, interessiert zunächst einmal nicht“. Wie kommt Claudia Volgger dazu mir und allen anderen Menschen zu verbieten, auch noch andere Interessen als Claudia Volgger zu haben?

Jetzt interpretiere ich mal meine Interpretation hinein und sage „Die Claudia Volgger ist totalitaer und der Karl Pfeifer rechtsextrem – andere Deutungen interessieren mich nicht“. Findet Claudia Volgger das denn so schoen, wenn das mit Ihren Texten gemacht wird, oder verficht sie doch nichts anderes als die allzuoft uebliche Doppelmoral und misst mit zweierlei Mass, denn das was sie sich selbst anmaßt, muesste sie dann wohl auch den „Anderen“ zugestehen.

Findet Claudia Volgger als angebliche Feministin nun Maenner, die gegenueber Frauen die Haltung „interessiert nicht“ einnehmen nun doch ganz o. k. ? (Vorsicht! Polemik! )

Prinzipiell sollte der Autor wohl fuer das, was er geschrieben hat, haften, zumindest sich bemuehen, unmissverstaendlich zu schreiben. Doch das ist fuer mich noch lange kein Freibrief, selbst hineinzuinterpretieren was mann/frau selbst hineininterpretieren will. Das wuerde der Denunziation Tuer und Tor oeffen.

Ich verfechte die Meinung, dass dem Leser/der Leserin im Rahmen des ihm moeglichen wohl zuzumuten, nach bestem Wissen und Gewissen zu versuchen, den „richtigen“ Sinn zu dekodieren, ebenso wie dem Autor zuzumuten ist, nach seinem besten Wissen und Gewissen den Text so zu verfassen, daß der/die Andere ihn „richtig“ versteht.

Allerdings: Ein Autor kann nie und nimmer alle moeglichen Interpretationen wissen, wenn er nicht alle Leser/innen und deren Sprachverstaendnis und Lebenserfahrung kennt. Will Claudia Volgger, daß ein jeder der ueber 4.000-MUND-Leser in Ihre Texte voellig wild hineininterpretiert wird, was sie nie und nimmer intentiert hat? Weiss Claudia Volgger denn, wie die 4.000 (potentiellen) MUND-Leser/innen ihren Text auffassen?

[Anm. d. Red. : 4000 ist wohl ein _bisserl_ viel… ; -)]

Und ueberhaupt: Wozu gibt es auf der Schule eine Sprachunterricht wo auch Textinterpretation geuebt wird, wenn dann eh jeder in die Texte Anderer nach eigenem Belieben hineininterpretieren darf/(soll? ) was er will. Wozu dann ueberhaupt noch eine Sprache, wenn es keine gemeinsame Interpreation von Bedeutung gibt?

Hoch lebe der Autismus der Heiligen Inquisition von Claudia Volgger!

Claudia Volgger scheint also dem allgemeinen Grundsatz zu folgen „Schuld sind immer die Anderen“ und als rhetorisches Ziel „Auf alle Faelle gewinnen“ zu verfolgen. Schön langsam sollten sich wohl die Erkenntnisse der Kommunikationspsychologie (in den USA schon seit den 50er Jahren allgemeiner verbreitet) herumsprechen, dass das so nicht geht, dass so nur ein ewiger Krieg prolongiert wird, den niemand gewinnen kann.

Kommunikation, Beziehung und Politik können nur gelingen, wenn BEIDE Seiten sich um die GEMEINSAME Verständigung bemühen. Das geht eben auch nur über eine gemeinsame Sprache. Wenn jeder in seiner Privatsprache verharrt, dann kann man so Medien wie den MUND aber gleich einstellen.

Apropos transparente Zensur: Wenn Beiträge aufgrund eines einzelnen Vetos nicht genannter Personen mit nicht genannten Gründen zensuriert werden, dann scheint die MUND Redaktion wohl einem Sprachbegriff a la Orwell’s 1984 anzuhaengen.


T. Claudia Volgger, Claudia Volgger als Inquisitorin? MUND, 7. Okbober 2003

mair hat teilweise recht. die wendung „(es) interessiert nicht“ ist autoritär. ich hätte besser „interessiert mich nicht“ verwendet oder, noch besser, den gedanken, der dahintersteht, ein klein wenig ausgeführt:

dass es nämlich in auseinandersetzungen, die irgendetwas bringen sollen, imo nicht um (unterstellte) intentionen, sondern um einigermassen belegbares und argumentierbares gehen sollte.

dass man über unterschiedliche lektüren diskutieren kann, ohne die ganze person einzubringen, weder die eigene noch die des gegners. dass das eine alternative zum krieg ist.

und dass ein autor, der, wenn ein jüdischer kritiker eine passage als antisemitisch versteht, mit reiner abwehr reagiert, zumindest ignorant handelt. und das auch dann, wenn die kritik polemisch formuliert war.

all diese punkte sind mir wichtig: es war daher nicht nur falsch, sondern auch ausgesprochen dumm, so zu formulieren, weil das ja widerspruch hervorrufen muss und aufmerksamkeit von dem, worum es geht, abzieht.

totalitär allerdings wäre die wendung nur dann, wenn ich die macht hätte, zuwiderhandlungen gegen die autoritäre aufforderung tatsächlich zu unterbinden. was nicht der fall ist.

dass ich das auch nicht wollen würde, fällt wieder in den bereich der intention: darüber würde ich nicht diskutieren wollen, wie auch nicht darüber, ob mair mich in bausch und bogen für totalitär hält.


U. Franz Schandl, Ihr lieben Menschen bei den irren Antideutschen! , 8. Oktober 2003

Warum habt ihr den Karl Pfeifer da reingeritten? Ihr, die mich doch kennt (mit manchen habe ich lange zusammengearbeitet), hättet doch wissen müssen, wie das für Pfeifer ausgeht. Ihr hättet wissen müssen wie das endet, nämlich mit einer fulminanten Niederlage und auch einem eklatanten Prestigeverlust für den ausgeschickten Bezichtiger. Ihr habt die Meriten des Karl Pfeifer ohne Rückversicherung eingesetzt und verspielt.

Aber ihr habt zugeschaut, wie der sich immer mehr verrannte, von einer Verwechslung zum nächsten Fehler irrte. Alle Angebote unsererseits – eine kleine Entschuldigung hätte gereicht! – die Sache zu kalmieren, wurden ausgeschlagen. Ihr habt zugeschaut, wie die Sache eskalierte, ihr habt mein vorläufiges Schweigen, das nichts anderes gewesen ist als Rücksichtnahme auf Karl Pfeifer, völlig falsch gedeutet, wahrscheinlich gedacht: „Jetzt haben wir ihn, den Schandl“ – Werch ein Illtum!

Wenn es da jemanden hat, dann hat es euch, aber ganz schön ordentlich. Insgesamt war euer Verhalten ausgesprochen fies, nicht gegenüber mir, da erwarte ich nichts anderes, sondern gegen Karl Pfeifer. Ihr habt ihn regelrecht für die Demontage hergerichtet, und selbst nach der Platzierung der Erstfassung des Dossiers im Internet habt ihr ihn im Regen stehen lassen, anstatt uns einen vernünftigen Vorschlag zu machen, um mit geringerem Gesichtsverlust auszusteigen, als dies jetzt für euch der Fall ist. Euer Amoklauf wird doch nicht Absicht gewesen sein?

Selbst wenn ihr euch jetzt noch in die „Debatte“ einklinkt oder irgendwelche Retter von außen aufbietet, die in einem Gefälligkeitsgutachten antisemitische Furze riechen oder hören, wo nichts furzt und nichts riecht und nichts zu hören ist – an diesem antideutschen Desaster ist nicht mehr zu rütteln. Die Sache ist gelaufen, ihr habt den Scherben auf. Da hilft keine bahamotische Renommage mehr und auch kein Wimmern der Softcores im Jungle.

Was aber noch schlimmer ist, ist folgendes. Der zweifellos notwendige Kampf gegen den Antisemitismus ist zu einer Karikatur geworden, ja zu einer Lachnummer sondergleichen. Er ist ein Kabarett der Gerüchte, wo alles und jedes bezichtigt werden kann, aber eigentlich nichts und niemand mehr für voll genommen wird. Wir nähern uns einem Zustand, wo jeder Antisemitismus-Verdacht selbst unter den Verdacht gerät eine üble Denunziationsnummer zu sein. Das habt ihr zu verantworten.

Ich weiß ja nicht, ob ich euch was raten soll, ich rate euch aber trotzdem etwas. Ich schlage euch eine sechsmonatige Bezichtigungspause, eine Art Diät, vor. Das ist zumindest eine der Varianten von dem, was ich unter Quarantäne verstehe. Vielleicht seht ihr dann etwas klarer und seid von dieser elendiglichen Denunziationssucht befreit. Man hofft für Euch, nicht wenige hat man ja gemocht. Also, macht mal wieder was Gescheites. Das Gescheiteste freilich wäre, diesen ausgezeichneten historischen Moment zu nützen, um aus dem antideutschen Zug zu springen. Der fährt an die Wand.

(Stand 8. Oktober 2003)

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